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Milad

Milad

Fl├╝chtlingslager sind kein Ort zum Leben

Wir nehmen Euch mit ins Jahr 2021. Wir laufen und klettern ├╝ber Gestr├╝pp und Steinschutt den Berg hinauf. Milad ist 18 Jahre alt und erz├Ąhlt uns auf dem Weg zum Lagerplatz seiner Familie etwas ├╝ber sich und seine Familie. Sie leben bereits seit zwei Jahren in dem Lager, das sich in direkter N├Ąhe zu der kleinen Hauptstadt der Insel Samos befindet. Schaut man von einem h├Âheren Punkt von gegen├╝ber auf das Lager, f├Ąllt es dem Auge schwer zu erfassen, was es sieht: eine un├╝bersichtliche Anzahl von Baracken, Zelten, d├╝rftig zusammen genagelten H├╝tten zieht sich den steilen Hang hinauf, dazwischen ein Zaun mit Maschendraht. Es scheint keine Struktur zu geben und zwischen den H├╝tten wimmeln Menschen herum.

Angelegt war der Kern des Lagers f├╝r 650 Menschen, in Hochzeiten sind es rund 8.000, die hier leben. Hier leben m├╝ssen. Denn verlassen d├╝rfen sie die Insel nicht bevor ihr Asylverfahren positiv beschieden wurde und die Papiere erstellt sind. Und dass kann bei einer Ankunft in 2018 oder 2019 Jahre dauern. Jahre bis zur ersten Anh├Ârung.

Auch Milads Familie wohnt im sogenannten Dschungel, dem nicht offiziellen Lagerbereich, in einem Konstrukt aus Pf├Ąhlen und Planen, gebaut auf Stelzen, um dem Schlamm, der sich im Winter oder bei Regen bildet, etwas entkommen zu k├Ânnen. So gut es geht haben Sie sich den Bereich eingerichtet, mit alten Teppichen auf dem Boden, und sogar einer Gl├╝hbirne im Schlafbereich, betrieben von einer Solarzelle, die irgendjemand gespendet hat. Seine Mutter und seine Schwestern kochen drau├čen und sp├╝len das Geschirr mit Wasser aus einer Regentonne. Flie├čendes Wasser oder Strom gibt es nicht. Wir k├Ânnen uns nicht vorstellen, was aus diesem Ort nachts wird, wenn das Tageslicht fehlt. Die Toiletten, sagen die Menschen, die Toiletten sind dann das Schlimmste.

Milads Familie ist gastfreundlich, freut sich, dass wir gekommen sind. Milads Mutter kocht uns Chai, hat Plastikst├╝hle besorgt, auf denen wir sitzen k├Ânnen. Die Familie wird bald in eine Wohnung von Space-Eye Hellas umziehen. Anders als die anderen Lagerbewohner, zumindest anders als f├╝r einen Gro├čteil von ihnen. Denn das neue Lager in den Bergen ist Mitte September 2021 bezugsfertig. Fertig war es eigentlich schon lange, aber irgendwie gab es Probleme mit der Wasserversorgung f├╝r mehrere Tausend Menschen, die hier untergebracht werden sollen. Und dieses Lager soll die Blaupause f├╝r die anderen Hotspots auf den griechischen Inseln werden.

Wir springen in die Gegenwart. Es ist 2023, das neue Lager ist seit ungef├Ąhr 1,5 Jahren ge├Âffnet. Es hei├čt: CCAC ÔÇô Closed Controlled Access Center. Vieles erscheint auf den ersten Blick besser. Es gibt Container, keine Zelte oder zusammen gezimmerte H├╝tten mehr. Die Container k├Ânnen geheizt werden, drinnen gibt es wenig, aber zumindest ein Bett f├╝r jeden. Die Struktur ist klar, es gibt Wege und offene Pl├Ątze, sogar einen Sportplatz. Die Sanit├Ąranlagen werden oft gereinigt.

Und doch ist das neue Lager erschreckend anzusehen. Nat├╝rlich waren wir nicht drin. Niemand darf aktuell hinein. Niemand au├čer dem Sicherheitspersonal und den Fl├╝chtlingen, die hier leben m├╝ssen. Wir sind mitten in den Bergen, ungef├Ąhr zwei Stunden Fu├čmarsch von der Stadt entfernt. Es gibt einen hohen Zaun mit Stacheldraht, Sicherheitsschleusen, kein Baum, kein Gr├╝n. Und es gibt nichts zu tun, nichts au├čer Warten. Irgendwann kann man ├╝ber einen der riesigen Lautsprecher ausgerufen werden. Denn Termine gibt es nicht oder man erf├Ąhrt sie nicht. Und wenn man dann nicht da ist? Denn tags├╝ber darf man das Camp verlassen, wenn man nicht ganz neu hier ist. Dann hei├čt es weiter warten, auf die n├Ąchsten Slot, wann immer der sein mag.

Die Sicherheit hat zugenommen, sagt uns eine junge Frau, die im alten und neuen Camp leben musste. Die Sicherheit gegen├╝ber Menschen, die nachts ausrasten oder von au├čen kommen, um zu randalieren. Aber die Gewalt von offiziellen Stellen ist unberechenbar geworden. Sie kommen, wann sie wollen, sagt die junge Frau, und sie sind aggressiv, machen uns schreckliche Angst, schlagen die M├Ąnner und drohen uns, mit uns Frauen das Gleiche zu tun, wenn wir schreien. Die NGO ÔÇ×I have rightsÔÇť hat diese Menschenrechtsverletzungen dokumentiert. Passiert ist bisher nichts.

Der Asylprozess hat sich verbessert, ist viel schneller geworden. F├╝r die meisten zumindest. Aber wenn der Antrag einmal positiv entschieden ist, muss man das Camp verlassen ÔÇô und erh├Ąlt keine Unterst├╝tzung mehr, nicht in Bezug auf eine Unterkunft und auch nicht f├╝r das t├Ągliche ├ťberleben. Gerade deshalb ist das Housingprojekt von Space Eye Hellas so wichtig. ÔÇ×Ich h├Ątte nicht gewusst wohinÔÇť, sagt die junge Frau, ÔÇ×ich h├Ątte auf der Stra├če oder in Abrissgeb├Ąuden schlafen m├╝ssen und aus M├╝lltonnen lebenÔÇť. Viele ziehen weiter nach ihrem Asylbescheid, gehen auf das Festland, versuchen sich zu Freunden und Verwandten durchzuschlagen. Aber nicht so selten gibt es Probleme: nicht alle Familienmitglieder erhalten gleichzeitig Schutz, nicht alle Papiere sind zusammen, um auch die Reiseunterlagen zu erhalten und nicht zu vergessen: es entsteht eine zeitliche L├╝cke zwischen dem Bescheid, dem gezwungenerma├čen veranlassten Verlassen des Camps und der Aush├Ąndigung der Papiere. Das k├Ânnen ein paar Wochen sein, es k├Ânnen aber auch Monate sein. Und Arbeit ist rar auf der Insel, au├čerhalb der Saison quasi nicht vorhanden.

Ja, vieles erscheint auf den ersten und zweiten Blick deutlich geordneter, aber ein Gef├Ąngnis bleibt es, das neue Lager auf Samos. Und das vergleichbare Lager auf Lesbos ist auch schon fertig gestellt. Nur dass es auch hier ein Problem gibt: die Wasserversorgung.

Das Projekt darf nicht enden! Sie m├Âchten Space Eye Hellas unterst├╝tzen?

https://www.betterplace.org/de/projects/108378-health-network

https://space-eye.org/hellas

Dokumentation von der Deutschen Welle, 2021 zum Umzug ins neue Camp auf Samos:

https://www.dw.com/de/das-neue-fl%C3%BCchtlingslager-auf-samos-eine-kleinstadt-hinter-stacheldraht/a-59265243

Film Space-Eye vom alten Camp auf Samos:

https://www.youtube.com/watch?v=sSESfahLOsg&t=5s

 

Cisse

Cisse

Mein unb├Ąndiger Wissensdurst hat mir geholfen, zu ├╝berleben

Cisse ist aus Guinea geflohen. 2020 ist er in Griechenland angekommen. Alleine, 16 Jahre alt und nach schrecklichen Erlebnissen in seinem Heimatland. Seine Eltern hat er durch gewaltt├Ątige ├ťbergriffe verloren, musste sich alleine durchschlagen. Obwohl er unter Planen im Fl├╝chtlingscamp auf Samos leben musste, lie├č er sich nicht unterkriegen. Innerhalb eines Jahres lernte er perfekt Griechisch.

Uschi Wohlgefahrt von Space-Eye Hellas erkannte das gro├če Potenzial, das in diesem jungen Menschen mit seiner au├čergew├Âhnlichen Intelligenz und Sprachbegabung schlummert. Seit dem Fr├╝hjahr 2021 wird er im Housingprojekt von Space-Eye Hellas unterst├╝tzt, wohnt in einer kleinen Wohnung und bekommt ein kleines Taschengeld, um sich auf das Lernen konzentrieren zu k├Ânnen. Er besuchte bis vor Kurzem das Gymnasium auf Samos und lernte f├╝r das Abitur zus├Ątzlich Altgriechisch und Latein. Sein Traum ist es, in Thessaloniki zu studieren. Auch sein Asylantrag wurde nach langem Warten positiv beschieden. Er kann nun dauerhaft in Griechenland bleiben.

Nach seinem Abitur hat er sich an seine Schule gewandt, um sich zu bedanken und sehr pers├Ânliche Worte an die Menschen zu richten, die ihn in der Schule unterst├╝tzt haben. Hier k├Ânnt Ihr seinen Brief lesen:

ÔÇ×Liebe Freunde, Rektor, Lehrer, Mitsch├╝lerinnen und Mitsch├╝ler,

ich m├Âchte mich erstmal bedanken, dass Ihr f├╝r mich da gewesen seid!

Anl├Ąsslich des Schuljahresende und unserer Abschlussfeier und da jeder von uns nun seinen eigenen Weg gehen wird, werde ich versuchen, meine Odyssee von meiner Abreise aus Guinea bis heute darzustellen. Ich spreche mit Euch ├╝ber den Weg, den ich eingeschlagen habe, ├╝ber die L├Ąnder, die ich durchlaufen musste bis ich in meinem neuen Zuhause angekommen bin, von dem ich noch nicht wusste, dass es mein Zuhause werden w├╝rde.

Der Weg aus Guinea war hart. Ich wurde von Banditen angegriffen. Ich sah Menschen an Ersch├Âpfung auf der scheinbar endlosen Reise sterben. Kinder waren darunter, die es nie mehr schaffen k├Ânnen, ihre Tr├Ąume zu verwirklichen.

Ich bin f├╝r ein paar Monate in der T├╝rkei geblieben, bevor ich nach Griechenland gekommen bin. Aber warum bin ich aus der T├╝rkei nach Griechenland gekommen? Als ich zur Schule wollte, wurde mir klar, dass dies in der T├╝rkei nicht m├Âglich sein wird, weil Bildung dort nicht kostenlos ist und ich kein Geld hatte, um den Unterricht zu bezahlen. In Guinea ging ich bis zum Tod meiner Eltern regelm├Ą├čig zur Schule. Es war mir ein Bed├╝rfnis, dies fortzusetzen. Wie eine Notwendigkeit, wie ein Grund, deshalb zu durchzuhalten.

Mit diesen Tr├Ąumen bin ich nach Griechenland gekommen und dachte, dass die n├Âtigen Papiere schnell erledigt w├Ąre. Ich dachte, dass ich nach kurzer Zeit Asyl bek├Ąme, da ich minderj├Ąhrig und sogar unbegleitet war.

Aber der Prozess verz├Âgerte sich st├Ąndig. W├Ąhrend ich wartete, musste ich unter elenden Bedingungen im Camp leben. Da Asylantr├Ąge ewig bearbeitet wurden und oft doch abgelehnt wurden, entschied ich mich, nicht l├Ąnger zu warten und das Camp zu verlassen, auch wenn mir dies eigentlich nicht gestattet war. Es war an der Zeit, mein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Es erschien mir als Zeitverschwendung, auf ein St├╝ck Papier zu warten, von dem ich nicht wusste, ob und wann ich es bekommen w├╝rde. Ich meldete mich bei dieser Schule.

Seitdem habt Ihr mir in all den schwierigen Zeiten beigestanden. Ihr habt daf├╝r gesorgt, mir das L├Ącheln zu schenken, das ich f├╝r eine lange Zeit verloren hatte. Ich vergesse nie die S├Ątze, die Ihr mir zu meiner Einschulung gesagt habt: „Willkommen in unserer Schule, Cisse! Du bist einer von uns! Hab keine Angst, sei nicht nerv├Âs, komm zu uns, wenn Du uns brauchst und lass uns reden!ÔÇť Und auch die Worte des Direktors: „Was auch immer du brauchst, habe keine Angst, klopf an unsere B├╝rot├╝ren. Wir sind f├╝r Dich┬á da und werden Dich unterst├╝tzen!ÔÇť Noch immer bin ich sprachlos ├╝ber die Liebe, die Ihr mir entgegengebracht habt.

Wenn ich nachts wach liege und daran denke, was ich durchgemacht habe, all die Schwierigkeiten, die ich erlebt habe, vergie├če ich Tr├Ąnen. Werden diese Tr├Ąnen je wieder verschwinden? Einerseits erinnere ich mich an meine Eltern, die ich vermisse, andererseits habe ich Euch, die Ihr mich in diesen Jahren mit Liebe, Z├Ąrtlichkeit und Zuneigung erf├╝llt habt. Ihr seid wie eine Familie f├╝r mich geworden. Die Momente, die ich mit Euch verbracht habe, bleiben unvergesslich f├╝r mich.

Vielen Dank f├╝r Eure Liebe und F├╝rsorge f├╝r mich.
Ihr werdet immer einen Platz in meinem Herzen haben!
Euer Klassenkamerad und Sohn
CisseÔÇť

Sahar

Sahar

Vielleicht werden wir irgendwann ankommen. Irgendwo.

Wir blicken immer wieder auch auf Erfahrungen mit Menschen zurück, die uns bereits verlassen haben und fragen uns, was aus ihnen geworden sein mag. Denn nicht immer wissen wir, wie es weitergegangen ist, wenn sie die Insel und das Projekt Space-Eye Hellas verlassen haben. 

So geht es uns auch mit einer afghanischen Familie, die aus dem Camp in eine unserer Projektwohnungen gezogen ist. Wir erinnern uns an einen Besuch bei der Familie. Wir sitzen in dem kleinen Innenhof, es ist luftig und sehr angenehm an diesem ansonsten so hei├čen Tag.

Die junge Mutter der Familie hei├čt Sahar. Ihr j├╝ngstes Kind, ein erst zwei Monate altes Baby, schl├Ąft in seinem Bettchen drinnen. Das Baby tr├Ągt ein Kleid, dass Sahar selbst gen├Ąht hat wie sie uns stolz erz├Ąhlt.┬á

Zwei Monate alt? Das hei├čt, dass das Baby auf Samos geboren wurde. Als die Familie noch im Camp wohnte. Wie wird das wohl gewesen sein?┬á

Die Mutter erkrankte zwei Monate vor der Geburt an Corona. Die ganze Familie musste in einen isolierten Container im Camp. Nat├╝rlich, denken wir uns, das ist ja normal. Aber die Quarant├Ąnezone im Camp ist noch gef├╝rchteter als der Rest der Container. Sicher hat das auch mit dem noch st├Ąrkeren Gef├╝hl zu tun, eingeschlossen zu sein. Gl├╝cklicherweise ging auch dies vor├╝ber.┬á

Sahar zeigt uns die Wohnung. Sie ist sauber und ordentlich. Eine kleine Zweizimmerwohnung. Und ganz f├╝r die Familie alleine. Normal? Vielleicht f├╝r uns, die wir dies hier lesen. Aber nicht, wenn man Monate, Jahre auf der Flucht in provisorischen Unterk├╝nften und Fl├╝chtlingscamps gehaust hat. Dann ist das hier ein Luxus. Denn Privatsph├Ąre ist Luxus f├╝r Fl├╝chtlinge.┬á

Sahar stillt das Baby, ganz konzentriert, ganz ruhig. Dann erz├Ąhlt sie uns ihre Geschichte: Sie ist eines von sieben Kindern. Mit 15 Jahren wurde Sahar verheiratet. Sie gebar ihre erste Tochter mit 16 Jahren. Dem Jahr, indem ihre Mutter bei der Geburt ihres j├╝ngsten Bruders verstarb. Von nun an k├╝mmert sie sich sowohl um ihre eigene kleine Familie als auch um ihre Geschwister und ihren Vater.┬á

Ein ├Ąlterer Nachbar bel├Ąstigt Sahar drei Jahre lang. Immer wieder stellt er ihr nach, will, dass sie sich von ihrem Mann trennt und setzt sie unter Druck. Sahar soll zu ihm ziehen und seine Frau werden. Er droht ihr und der Familie, sagt, dass er ihren Mann oder ihre Tochter umzubringen wird, wenn sie nicht tut, was er will. Sie und ihr Ehemann haben immer mehr Angst, nehmen die Drohungen ernst. Sie w├Ąren nicht die ersten, denen etwas passiert. Die Regierung und die Polizei bieten keinen Schutz.┬á

So beschlie├čen sie von der Provinz Daikondi nach Kabul zu ziehen. Hier wird der Nachbar sie nicht finden. Aber es ist schwierig durchzukommen. Egal, was sie versuchen, sie finden keine Arbeit und so verlassen sie Kabul schlie├člich und ziehen weiter in den Iran. Viele Afghanen leben im Iran, manche sind dort geboren und waren nie in Afghanistan. Sahar und ihre Familie bleiben 13 Jahre dort und Sahar bekommt zwei S├Âhne.┬á

Ihr Mann findet Arbeit, meist Gelegenheitsjobs auf dem Bau. Sahar arbeitet als N├Ąherin. Aber Afghanen genie├čen im Iran wenig Rechte und werden von f├╝r uns normalen Dingen wie Gesundheitswesen und Bildung meist ausgeschlossen. So d├╝rfen Sahars Kinder keine Schule besuchen. Mit dem bisschen Geld, dass sie verdienen, zahlen die Eltern einen anderen Afghanen daf├╝r, dass er ihre Kinder unterrichtet.┬á

Das Leben im Iran wird immer beschwerlicher. Sie sehen keine Zukunft und k├Ânnen auch nicht zur├╝ck nach Afghanistan, wo die politische Lage immer un├╝bersichtlicher wird. Sie beschlie├čen nach Europa zu gehen.┬á

Und so machten sie sich auf den Weg. Zu Fu├č und manchmal mit einem Auto, das sie mitnahm, gelangten sie in die T├╝rkei. In der T├╝rkei blieben sie knapp einen Monat bis sie in ein Schlepperboot nach Griechenland stiegen. Welche ├ängste m├Âgen sie ausgestanden haben mit drei Kindern auf dem Meer? Sahar sagt, es war so laut im Boot. Und eng. Viel zu viele Menschen sind eingestiegen. Sie waren verzweifelt und weinten so laut.┬á

Und wieder wiederholt sich die Geschichte, die wir so oft geh├Ârt haben: die griechische Polizei entdeckt das Schlepperboot auf dem Meer und bringt es zur├╝ck in die T├╝rkei, obwohl sie schon fast angekommen waren. Erst beim dritten Anlauf gelingt es der Familie auf Samos anzukommen.┬á

Es sollten 18 Monate im Camp folgen. 18 lange Monate. Und besonders lang, da es auch h├Ątte noch l├Ąnger sein k├Ânnen. Niemand, der im Camp ankommt, wei├č, wie lange er bleiben muss.

Sahar sagt, das sei jetzt vorbei. Ihr Ziel sei es, sobald sie k├Ânnen, auf das Festland zu ziehen. Um dann irgendwann irgendwo anzukommen.┬á

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Amna

Amna

Wenn der Feind die eigene Familie ist

Der Kongo ist kein einfaches Land, ist es nie gewesen. Googelt man die Situation im Internet, findet man unter anderem dies hier: ÔÇ×Wegen der aktuellen Situation sind im Jahr 2022 ├╝ber f├╝nf Millionen Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht. Das sind so viele wie in keinem anderen afrikanischen Land. Vor allem im Osten der DR Kongo sind die K├Ąmpfe blutig.ÔÇť

Und trotzdem wird es in diesem Beitrag nicht um diesen Konflikt gehen. Es geht um einen manchmal ├╝bersehenden und trotzdem anerkannten Fluchtgrund: Der geschlechtsspezifischen Gewalt, insbesondere, wenn die staatlichen Stellen nicht in der Lage oder Willens sind, die Betroffenen zu sch├╝tzen.

Amna w├Ąchst im Kongo auf. Als wir sie treffen, ist dies nicht im Kongo, sondern in einer kleinen Wohnung, von Space-Eye Hellas angemietet, in Athen. Zu diesem Zeitpunkt hat Amna vier Kinder.

Geboren wurde sie in einem kleinen Dorf in der Provinz Bangala. Die Familie zieht, als sie noch klein ist, in die Hauptstadt Kinshasa. Ihre Mutter ist die zweite Frau ihres Vaters, der zu diesem Zeitpunkt insgesamt mit drei Frauen verheiratet ist. Doch ihre Mutter verl├Ąsst die Familie und kurz darauf verstirbt der Vater. Amna ist gerade einmal zehn Jahre alt, als ihr Leidensweg beginnt. Die dritte Frau ihres Vaters nennt sie eine Hexe, macht sie ├Âffentlich f├╝r den Tod des Vaters verantwortlich und sagt auch, dass die Mutter ihretwegen weggelaufen sei.

Leider kommt es nicht so selten vor, dass Kinder als Hexen bezeichnet werden und dann von allen gemieden werden. Und so geht es auch Amna. Sie wird isoliert und schlie├člich vertrieben. Amna schl├Ągt sich alleine zu ihrer Gro├čmutter durch, die sie zumindest als Dienstmagd beherbergt. Amna muss sich ihr Essen verdienen. Manchmal darf sie im Haus schlafen, oft aber auch nicht.

Eines Nachts, Amna ist dreizehn Jahre alt, ├╝bernachtete sie in einem unverschlossenen Schulgeb├Ąude. Irgendwelche Kerle dringen ein und vergewaltigten sie. Sie wird von ihrer Gro├čmutter abgewiesen und vertrieben, lebt nun ganz auf der Stra├če. Und: Amna ist schwanger geworden, wei├č nicht so richtig, was mit ihr und ihrem K├Ârper geschieht. Sie trifft auf eine Gruppe M├Ądchen und junger Frauen und schlie├čt sich ihnen an. Wenn nichts mehr geht, verdienen sie ihren Lebensunterhalt durch Prostitution. Im Kreis dieser Frauen bringt Amna ihr erstes Kind zur Welt. Doch sie kann es nicht ern├Ąhren, gibt es in ihrer Verzweiflung zur Gro├čmutter.

Amna ist sehr h├╝bsch. Eine Organisation, die Modeschauen veranstaltete, wird auf sie aufmerksam. So arbeitete Amna immer wieder als Model. Sie lernt neue Leute kennen und darunter auch einen jungen Mann, der sich in sie verliebt. Sie heiraten und bekommen zwei Kinder.

Es folgt eine gute Zeit in Amnas Leben. Obwohl sie ihrem Mann die Wahrheit ├╝ber ihre Vergangenheit erz├Ąhlt, st├Â├čt er sie nicht zur├╝ck, sondern holt sogar ihren ersten Sohn von der Gro├čmutter zur├╝ck. Ihr Mann verdient gut. Amna wei├č nicht genau, womit.

Ihr Mann wird durch das Geld begehrt, bringt immer wieder andere Frauen mit nach Hause. Amna hat nicht mehr das Recht, im eigenen Haus zu sein und nur noch zu sprechen, wenn er es ihr erlaubt.

Eines Tages erh├Ąlt Amna einen Anruf aus Angola. Ihre Mutter sei krank. Wie sich herausstellen wird, ist sie Opfer eines Anschlags geworden. Man brauche Geld, um die Behandlung bezahlen zu k├Ânnen. Doch sie selbst hat kein eigenes Geld. Ihr Mann, inzwischen auch mit einer anderen Frau verheiratet, will sie nicht unterst├╝tzen. Sie verkauft, was sie hat, unter anderem den Goldschmuck von ihrer Hochzeit und schickt das Geld nach Angola. Doch es ist zu sp├Ąt. Ihre Mutter ist bereits verstorben.

Und wieder wendet sich alles gegen Anma. Ihr Mann behauptet, sie sei schuld am Tod der Mutter. Ihre Verwandten h├Ątten recht gehabt, sie sei eine Hexe. Zuerst habe sie ihren Vater get├Âtet und jetzt auch noch ihre Mutter. Die Situation im Haus wird unertr├Ąglich.

Eines Tages sind alle aus dem Haus, ihr Mann bei der Arbeit, die andere Frauen, Besorgungen zu machen. Es erscheinen unbekannte M├Ąnner bei Amna. Sie suchen ihren Mann. Amna wei├č nicht, wo er ist. Die M├Ąnner gehen, kommen aber immer wieder zur├╝ck und bedrohen Amna. Sie sagen, sie kommen mit Macheten und t├Âten sie. Die M├Ąnner sagen ihr, ihr Mann habe viel Geld genommen. Sie wollten es jetzt zur├╝ck. Amna ist au├čer sich vor Angst. Sie wei├č nicht, an wen sie sich wenden soll, um Hilfe zu erhalten.

Als die M├Ąnner ein drittes Mal kommen, foltern sie mit der S├Ąure, ver├Ątzen ihre Armen. Als sie immer noch nicht das bekommen, was sie wollen, vergewaltigen sie Amna.

Amna wei├č, sie werden sie nicht in Ruhe lassen. Und niemand wird ihr beistehen. Dies ist der Moment, an dem sie beschlie├čt, mit ihren Kindern das Land zu verlassen. Im Dezember 2015 fliehen in die T├╝rkei. Dort bleiben sie ein paar Monate, eine Tante in Europa schickt ihnen Geld. Im M├Ąrz 2016 kommt Amna mit ihren Kindern in Griechenland an, auf Lesbos. Jetzt muss sie im Elendscamp Moria warten, ob ihr Antrag auf Asyl akzeptiert wird. Ein Jahr bleibt sie auf Lesbos, darf dann weiter nach Athen.

Sie trifft einen Mann, der ihr hilft, eine Wohnung zu mieten. Sie verliebt sich. Und wird erneut schwanger. Doch so ernst war es dem Mann nicht. Er hat andere Freundinnen, hat nicht vor, sich um Amna und sein Kind zu k├╝mmern.

Durch einen Zufall lernt Amna Space-Eye kennen und kann in einer kleinen Wohnung untergebracht werden. Sie erz├Ąhlt uns, es habe Zeiten gegeben, in denen sie nicht einmal einen Euro hatte, um ihren Kindern Brot kaufen zu k├Ânnen. Jetzt habe sie immer Spaghetti im Haus. Damit die Kinder immer etwas zu essen haben, egal wie schlecht die Situation wieder werden k├Ânnte.

Amna m├Âchte alles daf├╝r tun, dass ihre Kinder nicht das Leben haben m├╝ssen, das sie selbst hatte. Sie w├╝nscht sich f├╝r sie eine gute Schulbildung, einen Job, ein Leben in Freiheit.

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Ashtar

Ashtar

Ashtar findet keine Ruhe

Ashtar ist keine junge Frau mehr. Sie blickt auf 53 Jahre zur├╝ck. Und auf viele schlimme Ereignisse in ihrem Leben. Ereignisse, die sie einfach nicht zur Ruhe kommen lassen. Denn Ashtar hat gelernt: Sie geh├Ârt nirgends hin und ist immer auf der Flucht. Vor Gewalt, vor Hunger, vor der Angst, dass alles noch schlimmer werden k├Ânnte.

Ashtar ist Sunnitin. Sie kommt aus dem Irak, w├Ąchst in Bagdad auf. Mit 17 Jahren wird sie verheiratet, mit 18 stirbt ihr erstes Kind. Sie wird weitere Kinder haben, bekommt in den darauffolgenden Jahren zwei. Sie lebt mit ihrem Ehemann zusammen, bis er 1990 in den Wirren des Golfkriegs verschwindet. Verschollen hei├čt es. N├Ąheres wei├č sie nicht, hat nie wieder etwas von ihm oder den Umst├Ąnden seines Verschwindens geh├Ârt.

Wenn es ihnen vorher nicht gut gegangen ist, beginnt jetzt eine harte Zeit voll Hunger und Angst. Ashtar ist auf sich allein gestellt, versucht ihre zwei Kinder und sich irgendwie zu versorgen. Von der Familie erh├Ąlt sie keine Unterst├╝tzung, alle k├Ąmpfen ums ├ťberleben, viele sind gegangen.

Die kleine Familie zieht von Ort zu Ort, auf der Suche nach Arbeit f├╝r die Mutter. Lebt in Kirkuk und kommt immer wieder nach Bagdad zur├╝ck, in der Hoffnung, dass es in der gro├čen Stadt einfacher geht. Irgendwann wird klar: Das ist nicht so und wird sich auch nicht bessern. Ashtar geht mit den Kindern in die T├╝rkei. Sie lernen T├╝rkisch, versuchen anzukommen. Aber die Gelegenheitsarbeiten, die Ashtar ├╝bernimmt, reichen nicht aus, vor allem nicht, damit die Kinder in die Schule gehen k├Ânnen und eine bessere Zukunft haben k├Ânnen.

Es dauert viele Jahre, bis Ashtar das Geld zusammengespart hat, um weiterzuziehen. Sie schlie├čt sich einer Gruppe an und schafft es nach Samos. Die mittlerweile erwachsenen Kinder kommen nicht mit ihr, bleiben letztlich in der T├╝rkei.

Ein und ein halbes Jahr muss sie allein im Camp leben, bis sie es verlassen darf. Trifft auf Space-Eye Hellas und Uschi und zieht mit einer anderen, alleinstehenden Frau in ein Studio von Space-Eye.

Ashtar plagt sich mit gesundheitlichen Problemen, sie wirkt ungl├╝cklich. Sie sagt, sie w├╝nsche sich nichts sehnlicher, als anzukommen. In einem Land, wo sie bleiben kann. Deutschland, sagt sie, vielleicht.

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Nishimbe

Nishimbe

Wie viel ein Mensch ertragen muss: Nishimbes Geschichte

Nishimbe kommt aus Burundi, einem Land im Osten von Afrika. Sucht man nach ÔÇ×das ├Ąrmste Land der WeltÔÇť im Internet, erscheint auf Platz 1: Burundi. Seit ├╝ber hundert Jahren bek├Ąmpfen sich Hutu und Tutsi. Nishimbe ist Tutsi. Einige von Euch erinnern sich vielleicht an ihre Geschichte, die hier ver├Âffentlicht wurde, dieses hier ist die Fortsetzung. Denn Nishimbe ist noch immer auf Samos.

In der Vergangenheit lebt sie mit ihren Eltern und Geschwistern in der burundischen Hauptstadt Bujumbara. Ihre Mutter hat zu dieser Zeit einen kleinen Stand auf dem ├Ârtlichen Markt. Der Vater ist Fahrer f├╝r Politiker der Oppositionspartei. Immer wieder gibt es Einschr├Ąnkungen f├╝r die Kinder, schlie├člich wird es zu gef├Ąhrlich, die Schule zu besuchen.

Eines Abends dringt eine bewaffnete, vermummte Gruppe mit burundischen Polizisten in das Haus der Familie ein. Alle m├╝ssen sich in einem Raum versammeln. Nishimbe muss sich entbl├Â├čen. Sie wird brutal vor den Augen ihrer Familie vergewaltigt. Als der Vater sich wehrt, wird er mit zwei Kugeln in die Brust erschossen. Dem Bruder und schlie├člich auch der Mutter ergeht es so. Die Polizei nimmt die drei Leichname mit, Nishimbe und ihre Schwester werden einfach im Raum zuru╠łckgelassen.

Sicher denkt ihr jetzt als Lesende, dass der schlimmste Teil von Nishimbes Geschichte hinter Euch liegt. Aber leider funktioniert es so oft nicht und die Welt erscheint nicht gerecht mit Menschen, die Schlimmes erleiden m├╝ssen.

Nishimbe und ihre Schwester kommen ├╝ber Umwege in ein Heim nach Uganda, die Schwester geht zur Schule, Nishimbe arbeitet als Hausm├Ądchen. Eines Tages kommt ein Mann in das Heim, erz├Ąhlt Nishimbe von der T├╝rkei, von den M├Âglichkeiten dort. Dass es Arbeit gebe, dass sie einfach nur mitkommen m├╝sse, er w├╝rde alles organisieren.

Doch die Arbeit in der Tu╠łrkei stellt sich als Zwangsprostitution heraus. Aus purem Gl├╝ck findet Nishimbe einen Menschen, der ihr hilft zu entkommen. Sie sagt, sie sei ihm ewig dankbar dafu╠łr.

Nishimbe l├Ąsst sich nicht unterkriegen, findet Arbeit in Fabriken und Restaurants, kann ihrer Schwester, die im Heim in Uganda geblieben ist, sogar etwas Geld schicken.

Andere Flu╠łchtlinge erza╠łhlen ihr von Europa. Was dort besser sein solle. Dass es in der T├╝rkei keine Zukunft gibt, merkt sie selbst bald. Gar nicht weit entfernt sei die europ├Ąische Au├čengrenze ├╝ber das Meer. Nishimbe findet einen Schlepper, bezahlt 900 ÔéČ und macht sich auf den Weg nach Lesbos.

Und sie kommt an. Es war windig, es war be├Ąngstigend im kleinen Boot. Sie ist v├Âllig durchn├Ąsst. Aber sie ist auf Lesbos. Es ist Oktober 2020.

Aber die ├ťberfahrt und alles davor waren hart, seelisch, aber auch k├Ârperlich. Zu hart f├╝r ihren geschw├Ąchten K├Ârper. Sie hat das Gef├╝hl, sich nicht mehr bewegen zu k├Ânnen. Schleppt sich ins n├Ąchste Geb├╝sch, bleibt zwei Tage dort liegen. Dann rafft sie sich auf, geht zur n├Ąchsten Stra├če, findet Fischer, die ihr den Weg zeigen bis zur Landstra├če.

Ein Bus h├Ąlt an. Griechische Polizei, wird sie sp├Ąter erfahren. Auf einem Feld m├╝ssen sich Nishimbe und die anderen Fl├╝chtlinge, die bereits im Bus sa├čen, aussteigen. Ma╠łnner auf die linke Seite, Frauen auf die rechte. Alle m├╝ssen sich nackt ausziehen. Geld, R├╝cks├Ącke, Handys ÔÇô alles abgeben. Die Uniformierten ziehen ihre Gu╠łrtel aus. Schlagen auf die nackten, frierenden Menschen ein.

Noch nicht genug, m├╝ssen sie wieder einsteigen, d├╝rfen sich zumindest anziehen. Sie werden zum Hafen gebracht. Dort mit einem Boot zu Schlauchbooten gebracht, mitten ins Meer. Die Begleiter fahren ab, die Boote treiben ziellos im Meer. Stunden spa╠łter werden sie von der tu╠łrkischen Ku╠łstenwache gesichtet. Und m├╝ssen zur├╝ck in die T├╝rkei.

Wer immer sich bisher gefragt hat, was ein Pushback ist, wei├č es jetzt. Denn leider ist Nishimbes Geschichte kein Einzelfall, egal, was behauptet wird.

Nishimbe ist ko╠łrperlich in einem so schlechten Zustand, dass sie drei Monate in einem Krankenhaus in Izmir aufgepa╠łppelt werden musste. Bis heute hat sie sich nicht alles regeneriert, geblieben ist ihr ein hinkender Gang.

Aber dieser Pushback ist nicht unbeachtet geblieben. Ein Anwalt aus Athen meldet sich bei Nishimbe. Mit seiner Hilfe klagt sie gegen das Vorgehen der Polizei und von Frontex beim Europa╠łischen Gerichtshof fu╠łr Menschenrechte. Die Klage ist immer noch anha╠łngig. Und mittlerweile gibt es mehrere Klagen von Fl├╝chtlingen. Aktuell wird gerade der Fall einer syrischen Familie verhandelt, die in der Annahme, sie w├╝rden aufs Festland fliegen, in ein Flugzeug einstiegen und in der T├╝rkei gelandet sind. Aber das sind Einzelf├Ąlle. Die Klagen, nicht die Pushbacks.

Im Juli 2021 entscheidet sich Nishimbe nochmals f├╝r eine ├ťberfahrt nach Europa, sie landete nun auf Samos. Ihr wird pl├Âtzlich Asyl gew├Ąhrt. Sie wird in das Space-Eye Hellas Housing-Projekt aufgenommen und bewohnt ein kleines 1-Zimmer-Appartment.

Es ist April 2023. Was ist aus Nishimbe geworden?

Nishimbe wohnt immer noch in dem 1-Zimmer-Appartment, kann es jetzt aber selbst bezahlen. Seit einiger Zeit arbeitet sie als ├ťbersetzerin bei Medicine Sans Fronti├Ęre. Sie ├╝bersetzt f├╝r die ├ärzte Lingala und Franz├Âsisch ins Englische. In Vollzeit und sie wird daf├╝r bezahlt. Gro├če Spr├╝nge kann sie damit nicht machen, aber zumindest kann sie sich selbst versorgen.

Sie will noch mal zur├╝ck nach Lesbos, sagt, sie glaube, sie brauche das, um zu verarbeiten, was ihr dort passiert ist. Sie m├Âchte den Strand noch einmal sehen dort, an dem sie angekommen ist. Ich sage ihr, dass ich es mit ihr machen werde, wenn ich selbst zur├╝ckkomme nach Griechenland, im Herbst.

Deutschland, sagt sie, dorthin w├╝rde sie gerne einmal fahren. Und vielleicht auch bleiben. Sie h├Ątte geh├Ârt, es g├Ąbe dort die M├Âglichkeit zu studieren, mehr aus dem eigenen Leben zu machen. Sie sagt das mit voller Energie in der Stimme.

Sp├Ąter sitzen wir zusammen. Irgendjemand von uns fragt, ob sie nun genug Geld verdiene, um die Schwester zu versorgen oder sie sogar herzuholen. Nach Samos. In Sicherheit.

Nishimbe schweigt einen Moment. Vielleicht, sagt sie. Aber sie wisse nicht, wo ihre Schwester sei. Seit einiger Zeit sei sie verschwunden. Aus dem Heim in Uganda.

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