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Judith – Das Leben ist nicht einfach

Judith – Das Leben ist nicht einfach

Von Eva H├Âschl

Marie-Th├ęr├Ęse, Khalief, Paul und ich besuchen Judith und ihre vier Kinder Winner, Benni, Gloria und Grace in ihrer kleinen Wohnung in Athen. Judith hat sich dazu bereit erkl├Ąrt, mir ihre Geschichte zu erz├Ąhlen. W├Ąhrenddessen werden Paul und Khalief die gesamte Wohnung streichen, sie hat es dringend n├Âtig. Um uns herum wuseln die Kinder, Khalief und Paul sind bereits in der Arbeit vertieft. Judith beginnt zu erz├Ąhlen.

Judith wurde in einem kleinen Dorf in der Provinz Bangala, in der Demokratischen Republik Kongo, geboren. Mit f├╝nf Jahren zog ihre Familie in die Hauptstadt Kinshasa. Ihre Mutter war die zweite Frau ihres Vaters, der insgesamt mit drei Frauen verheiratet war. Ihre Kindheit war sehr schwierig: ihre Mutter verlie├č die Familie und ging nach Angola. Kurz darauf starb ihr Vater, Judith war damals zehn Jahre alt. Die dritte Frau ihres Vaters nannte sie eine Hexe: deshalb sei ihr Vater gestorben und ihre Mutter weggezogen. Wenn man in Afrika als Hexe bezeichnet wird, wird man von allen gemieden. Judith wurde fortgeschickt. Sie beschloss, zu ihrer Gro├čmutter zu gehen. Dort wurde sie wie eine Dienstmagd behandelt. Ihr Essen musste sie sich mit Arbeit verdienen. Manchmal durfte sie im Haus schlafen, oft jedoch musste Judith sich drau├čen einen Schlafplatz suchen.

Eines Nachts, Judith war dreizehn Jahre alt, ├╝bernachtete sie in einem Schulgeb├Ąude, das nicht verschlossen war. W├Ąhrend sie schlief, kamen zwei Kerle in das Geb├Ąude und vergewaltigten sie. Ab diesem Zeitpunkt lebte sie auf der Stra├če ÔÇô denn sie wusste, dass sie von ihrer Gro├čmutter keine Hilfe erwarten konnte. Was sie nicht wusste: dass sie durch die Vergewaltigung schwanger wurde – mit 13 Jahren fehlte ihr daf├╝r das Verst├Ąndnis. Auf der Stra├če fand sie Anschluss an eine Gruppe M├Ądchen und junger Frauen. Sie verdienten ihren Lebensunterhalt durch Prostitution. Um Essen und einen Schlafplatz zu bekommen, musste Judith sich ebenfalls prostituieren. Sie merkte, dass ihr Bauch gr├Â├čer wurde, dachte sich jedoch nichts dabei. Sie brachte ihren Sohn im Kreis der jungen Frauen zur Welt. Eine Woche sp├Ąter musste sie wieder als Prostituierte arbeiten. Deshalb gab sie ihr Baby zur Familie ihrer Gro├čmutter.

Judith war als junges M├Ądchen sehr h├╝bsch. Eine Organisation, die Modeschauen veranstaltete, wurde auf sie aufmerksam. So arbeitete Judith nebenbei immer wieder als Model. Bei einer Modeschau sah sie ein Mann, der Judith bereits von fr├╝her kannte. Er verliebte sich in Judith, suchte ihre Gro├čmutter auf und bat um ihre Hand. Judiths Mutter und ihre Tante hatten den Kontakt zu Judith abgebrochen, als sie erfuhren, dass sie als Prostituierte arbeitet. So wusste ihre Mutter auch nichts von ihrem Sohn Chris (Chris ist mittlerweile zwanzig Jahre alt, hat studiert und sein Diplom erhalten und lebt bei seinen Freunden.)

Judith und Henry* (*Name ge├Ąndert) heirateten und bekamen zwei Kinder. Henry kannte Judiths Geschichte und akzeptierte alles. Er holte Chris von der Gro├čmutter zur├╝ck und Judith konnte zur├╝ck zur Schule gehen. Sie bekam ein Auto von ihrem Mann und die Familie hatte genug Geld f├╝r ihren Lebensunterhalt. Der Beginn ihrer Ehe war die gl├╝cklichste Zeit in Judiths bisherigem Leben. Als ihre Mutter in Angola erfuhr, dass Judith geheiratet hatte, ihr Mann ÔÇ×eine gute Partie istÔÇť und etwas Geld hat, nahm sie wieder Kontakt zu ihr auf. Judith war gl├╝cklich dar├╝ber, in dieser Zeit ihre Familie finanziell unterst├╝tzen zu k├Ânnen: die Br├╝der und Schwestern der anderen Ehefrauen ihres Vaters, die Cousins und Cousinen, ihre Mutter. Doch dann wurde ihr Mann sehr reich. Das ver├Ąnderte ihn. Er sprach nicht mehr mit Judiths Freunden und auch sie selbst hatte pl├Âtzlich nicht mehr das Recht, in ihrem gemeinsamen Haus zu sprechen. Durch das Geld wurde Henry zum begehrten Mann. Er brachte andere Frauen mit nach Hause und schlief mit ihnen. Diese ver├Ąnderte Situation war schwierig f├╝r Judith. Sie suchte eine M├Âglichkeit, so oft wie m├Âglich au├čer Haus sein zu k├Ânnen. Sie er├Âffnete eine kleine Boutique und arbeitete viel. Dann heiratete ihr Mann eine andere Frau. Diese zog ebenfalls in das Haus ein. In Afrika haben Frauen keine Rechte und M├Ąnner d├╝rfen alles tun, was sie m├Âchten. Frauen sind von ihren M├Ąnnern abh├Ąngig, sie selbst haben nichts. Das einzige Recht der Frau ist, alles zu unterst├╝tzen, was der Mann m├Âchte. Judith versuchte, mit ihrem Mann ├╝ber die Situation zu sprechen, keine Chance.

Eines Tages erhielt Judith einen Anruf aus Angola, dass ihre Mutter krank ist. Was war passiert? Es war im Dorf ihrer Mutter bekannt, dass Judith mit einem Mann verheiratet ist, der Geld hat. Die anderen Dorfbewohner waren neidisch darauf, dass die Familie von Judith finanziell unterst├╝tzt wird. Deshalb haben Dorfbewohner die Beine ihrer Mutter mit S├Ąure ver├Ątzt. (Judith zeigt uns ein Video von ihrer schwer verletzten Mutter ÔÇô man sieht die ver├Ątzten Beine.)

Ihre Familie bat Judith um Geld, um ihre Mutter im Krankenhaus behandeln lassen zu k├Ânnen. Doch sie selbst hatte nicht genug Geld und ihr Mann unterst├╝tzte sie nicht mehr. So verkaufte Judith einen Teil ihres Goldschmucks und schickte Geld nach Angola, um ihrer Mutter eine Klinikbehandlung zu erm├Âglichen. Doch das Geld kam nicht rechtzeitig an. Ihre Mutter starb auf dem Boden vor dem Krankenhaus. Die Zwillingsschwester ihrer Mutter lebte zu diesem Zeitpunkt in Paris. Sie hatte damals weder zu ihrer Mutter noch zu Judith selbst Kontakt. Von Freunden erfuhr sie vom Tod der Mutter. Sie nahm Kontakt zu Judith auf – Judith war sehr froh dar├╝ber. Ihre Tante beteiligte sich an den Beerdigungskosten.

Nach dem Tod ihrer Mutter sagte ihr Ehemann, sie sei tats├Ąchlich eine Hexe. Zuerst habe sie ihren Vater get├Âtet und jetzt auch noch ihre Mutter. Die Situation im Haus wurde unertr├Ąglich. Es gab ein Dienstm├Ądchen im Haus. Das Dienstm├Ądchen wurde entlassen und ihr Ehemann und seine zweite Frau entschieden, dass Judith nun ihre Arbeit zu ├╝bernehmen hatte. Judith wurde zum Dienstm├Ądchen in ihrem eigenen Haus.

Sie entschied, ihren Mann zu verlassen, wusste jedoch nicht, wohin. Im Juni 2015, Benni war noch ein Baby, ging ihr Mann zur Arbeit. Seine zweite Frau ging ebenfalls au├čer Haus. Beide kamen nicht zur├╝ck. Drei Tage sp├Ąter kamen M├Ąnner zu ihr. Sie sagten, sie w├╝rden Henry suchen. Judith sagte, sie w├╝sste nicht, wo er sei. Er sei vor drei Tagen mit seiner anderen Ehefrau gegangen und bisher nicht zur├╝ckgekommen. Die M├Ąnner gingen, doch nach ein paar Tagen kamen sie zur├╝ck. In Afrika kommen M├Ąnner mit Macheten und k├Ânnen Dir Deine F├╝├če abhacken, Deine H├Ąnde oder sogar Deinen Kopf. Sie k├Ânnen Deine Kinder rauben. Die M├Ąnner kamen also zur├╝ck. Sie sagten ihr, Henry habe viel Geld genommen. Wieder fragten sie, wo ihr Mann sei. Sie waren sehr aggressiv. Die M├Ąnner dachten, Judith wisse, wo ihr Ehemann sei, und w├╝rde es ihnen nicht verraten.

Sie kamen ein drittes Mal, in der Nacht. Es waren drei M├Ąnner, sie kamen, als sie schlief. Sie h├Ąmmerten an die T├╝r und riefen: ÔÇ×├ľffne die T├╝r! ├ľffne die T├╝r!ÔÇť Sie schlugen die Glasscheibe der T├╝r ein, ├Âffneten sie von innen und kamen ins Haus. Ihre beiden Kinder waren zu diesem Zeitpunkt im Haus, zudem die Kinder der anderen Frauen ihres Mannes. Die drei M├Ąnner tropften S├Ąure auf Judiths rechten Unterarm. Immer wieder sagten sie, Judith solle sagen, wo ihr Mann sei. Erneut tropften sie S├Ąure auf ihren Arm und schrien: ÔÇ×Rede!ÔÇť, tropften S├Ąure, schrienÔÇŽ (Judith zeigt uns die Narben auf ihrem Arm.) Judith erinnert sich noch sehr gut an das zischende Ger├Ąusch. Dann wurde sie von den drei M├Ąnnern vergewaltigt, ein zweites Mal in ihrem Leben. Um Vier Uhr, F├╝nf Uhr in der Nacht sagten sie, sie werden nun ihren Mann selbst suchen. Wenn sie ihn nicht finden, kommen sie zur├╝ck und ermorden sie.

In diesem Moment beschloss Judith, das Land zu verlassen. Sie nahm Kontakt mit den Frauen auf, die sie damals als 13j├Ąhrige aufgenommen hatten. Die Frauen wohnten mittlerweile in anderen L├Ąndern, in Belgien, in Frankreich. Judith erz├Ąhlte ihnen, was passiert war. Eine Freundin aus Belgien sagte ihr, sie solle ihre Kinder nehmen und in ihrem Haus in Kinshasa Schutz suchen. Das tat Judith. Nachdem sie mit ihren Kindern umgezogen war, verkaufte sie alles aus ihrem Laden und ihren gesamten Goldschmuck. Ihre Freundin gab ihr den Kontakt einer anderen Freundin in Marokko. Von ihr bekam Judith Tickets. Im Dezember 2015 floh sie mit ihren Kindern in die T├╝rkei. Dort blieb sie ein paar Monate. Von ihrer Tante in Belgien bekam Judith Geld, um mit den Kindern weiter nach Griechenland fliehen zu k├Ânnen.

Im M├Ąrz 2016 kam Judith mit ihren Kindern in Griechenland an: auf Lesbos im Camp Moria. Bis Dezember 2016 lebten Judith, Winner und Benni im Camp. Von dort aus kam Judith mit den Kindern nach Athen. Es war nicht einfach dort. Sie schloss sich einer Gruppe Afrikaner an, die in einem Haus lebten. Doch Judith hatte Probleme, die Miete zu bezahlen ÔÇô sie hatte kein Geld. Sie freundete sich mit dem Besitzer des Hauses an und begann, mit ihm auszugehen. Die beiden wurden ein Paar und Judith musste keine Miete mehr bezahlen. Sie wurde erneut schwanger. Zur gleichen Zeit zog eine andere Frau im Haus ein und ihr Freund ging auch mit dieser Frau aus. Judith merkte, dass er mit allen Frauen ausging, die in seinem Haus wohnten. Sie sprach mit ihm und erz├Ąhlte, dass sie schwanger sei. Er meinte, Judith sei ├Ąlter als die anderen Frauen, er wisse nicht, warum er noch mit ihr ausgehe. Es g├Ąbe keine gemeinsame Zukunft f├╝r sie. In ihrer Not wandte sich Judith an einen langj├Ąhrigen Freund, den sie noch aus ihrer Heimat kannte. Es ist ein guter Freund, der einzige wahre Freund.

Dieser Freund erz├Ąhlte Judith von Hilfsorganisationen in Athen, die sie unterst├╝tzen k├Ânnen und stellte den Kontakt her. So bekam Judith die kleine Wohnung, in der sie nun mit ihren Kindern lebt: mit Winner (10), Benni (6) und den Zwillingen Gloria und Grace (2). Inzwischen hat sich Space-Eye f├╝r Judith und ihre Kinder eingesetzt. Space-Eye bezahlt die Miete, Strom und Heizung. Zudem erh├Ąlt die Familie eine kleine monatliche Unterst├╝tzung f├╝r ihren Lebensunterhalt.

Alles, was Judith in ihrem Leben erlebt hat, seit ihrer Kindheit bis heute, gibt ihr die Kraft, f├╝r ihre Kinder so gut als m├Âglich zu sorgen. Sie m├Âchte keinesfalls, dass ihre Kinder das Leben haben, das sie selbst hatte. Ihnen soll es gut gehen. Judith w├╝nscht sich f├╝r ihre Kinder eine gute Schule und eine gute Ausbildung, eine gute Kultur. Das ist ihr das Allerwichtigste. Wenn sie sich frei entscheiden d├╝rfte, in einem Land zu leben, w├Ąre es Belgien oder Deutschland.

Die Unterst├╝tzung, die Judith durch Space-Eye erf├Ąhrt, die Wohnung, die finanzielle Unterst├╝tzung f├╝r ihren Lebensunterhalt, die Hilfe durch Marie-Th├ęr├Ęse, ist f├╝r Judith gleichbedeutend mit dem Beginn des Friedens in ihrem Leben. Vorher hatte sie immer die Sorge, wie sie Essen f├╝r ihre Kinder bekommt.

Judith hat sich geschworen, nie mehr mit einem Mann auszugehen. Auch wenn sie nur einen Euro br├Ąuchte, und ein Mann w├╝rde ihr diesen Euro geben und daf├╝r etwas von ihr erwarten, sie w├╝rde ablehnen. H├Ątte sie kein Geld, w├╝rde Judith das ihren Kindern erkl├Ąren und sie w├╝rden es verstehen. Die Zwillinge w├╝rden es noch nicht verstehen, doch sie habe immer Spaghetti zuhause. Sie w├╝rde einfach Spaghetti machen, damit die Kinder etwas zu essen haben.

Elias ÔÇô der freundliche B├Ącker aus Syrien

Elias ÔÇô der freundliche B├Ącker aus Syrien

Von Eva H├Âschl

Elias sitzt zusammen mit Marie-Th├ęr├Ęse und mir in seiner zuk├╝nftigen B├Ąckerei nahe der Armenisch-Katholischen Kirche im Athener Stadtteil Neos Kosmos. Marie-Th├ęr├Ęse ├╝bernimmt freundlicherweise wieder die ├ťbersetzung ÔÇô welch ein Gl├╝ck, dass sie f├╝nf Sprachen spricht, unter anderem auch arabisch.

Elias ist 22 Jahre alt und ein freundlicher, zur├╝ckhaltender junger Mann. Er wuchs mit seiner Familie in Syrien auf, in der Stadt Suqaylib─źyah, die sich in der Region Hama befindet. Gerne erinnert er sich an seine sch├Âne Kindheit zur├╝ck; es fehlte ihm an nichts und seine Eltern k├╝mmerten sich gut um ihn und seine Geschwister George und Lucie. Als kleiner Junge spielte er am liebsten zusammen mit seinen Freunden Murmeln, sp├Ąter dann Fu├čball.

Im September 2019 beschloss Elias, aus Syrien zu fliehen. W├Ąre er in seiner Heimat geblieben, w├Ąre er zum Milit├Ąrdienst eingezogen worden. In Syrien ist nie klar, wie lange der Milit├Ąrdienst dauert ÔÇô es k├Ânnen f├╝nf, sechs, sieben oder auch zehn Jahre sein, erz├Ąhlt er. Die politische Situation im Land war und ist sehr schwierig, und bei Milit├Ąreins├Ątzen werden Christen wie Elias an die Front geschickt, sozusagen als ÔÇ×KanonenfutterÔÇť in die ersten Reihen. Gemeinsam mit einem anderen jungen Mann aus dem Dorf floh er im gleichen Monat. Seine Fluchtroute f├╝hrte ihn zuerst nach Arbil im Iran, weiter nach Bodrum in der T├╝rkei, auf die griechische Insel Kos und schlie├člich als Bootsfl├╝chtling nach Athen. Dort kam er am 16. Oktober 2019 an.

Zusammen mit f├╝nf anderen Gefl├╝chteten wohnte Elias in einem von den Schmugglern organisierten Apartment. Es gab wenig Platz f├╝r die sechs M├Ąnner: gegessen wurde in Etappen, da es nur einen kleinen Tisch f├╝r drei Personen gab und jeder Gefl├╝chtete erhielt nur einmal am Tag eine Fertigsuppe zum Essen.

Mit seinen Eltern war Elias die ganze Zeit ├╝ber in Kontakt, von den schwierigen Bedingungen jedoch erfuhren sie nichts. Um sie nicht zu beunruhigen, schickte Elias Bilder von gef├╝llten Tellern, die er an anderen Orten fotografierte. Mit dem Geld, das die Schmuggler von Elias f├╝r seinen Lebensunterhalt erhalten hatten, setzten sie sich nach Holland ab. Nun war er also ohne Geld in einer fremden Stadt, in einem fremden Land, dessen Sprache er noch nicht m├Ąchtig war. Von Bekannten aus seiner Heimat h├Ârte er vom Hilfsangebot der Armenisch-Katholischen Kirche in Athen. So machte er sich auf den Weg zu Monsignore Joseph und fragte, ob er einen Platz zum Schlafen f├╝r ihn habe. Monsignore Joseph, der sich in Athen intensiv um Gefl├╝chtete k├╝mmert, nahm Elias auf. Vom ersten Moment an f├╝hlte sich Elias wohl dort. Endlich bekam er genug zu essen und hatte ein sicheres Dach ├╝ber dem Kopf. Dankbar bot er Monsignore Joseph seine Hilfe an. Elias packte mit an, wo auch immer es etwas zu tun gab. Die beiden verstanden sich auf Anhieb und sch├Ątzten sich gegenseitig. So kam es, dass Monsignore Joseph Elias nach einiger Zeit fragte, ob er sich nicht vorstellen k├Ânne, auf Dauer hier in Athen zu leben. Elias, der urspr├╝nglich weiter nach Norwegen wollte, ├╝berlegte nicht lange. Er entschloss sich zu bleiben, hatte er doch hier so etwas wie eine zweite Heimat gefunden.

Brot backen war schon immer eine gro├če Leidenschaft von Elias, insbesondere das Brot seiner Heimat. So konnte er sich vorstellen, in Athen eine Ausbildung zum B├Ącker zu absolvieren. Doch eine Ausbildung kostet Geld. Deshalb nahmen Uschi und Monsignore Joseph Kontakt zu Space-Eye auf und baten um finanzielle Unterst├╝tzung. Space-Eye sagte zu und Elias konnte die sechsmonatige Ausbildung beginnen. Wie gl├╝cklich war er dar├╝ber! Inzwischen hat er seine Ausbildung zum B├Ącker nahezu abgeschlossen und backt k├Âstlich duftendes, leckeres Brot – wir durften davon kosten und waren begeistert!

Ich frage Elias nach seinen W├╝nschen f├╝r die Zukunft: Er w├╝nscht sich, dass seine Eltern und seine Geschwister zu ihm nach Athen kommen k├Ânnen. Dann w├Ąre die Familie wieder vereint und alle in Sicherheit. ┬áUnd noch einen Wunsch hat er: Seine zuk├╝nftige B├Ąckerei ÔÇô die Papiere lassen noch auf sich warten – soll so gut laufen, dass er damit gen├╝gend Geld f├╝r seinen Lebensunterhalt verdienen und wieder f├╝r sich selbst sorgen kann. M├Âgen seine W├╝nsche in Erf├╝llung gehen, wir dr├╝cken ihm von ganzem Herzen die Daumen!

Space-Eye Health Network: Gekommen, um zu helfen!

Space-Eye Health Network: Gekommen, um zu helfen!

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Bilder f├╝r die Nothilfe Ukraine

Bilder f├╝r die Nothilfe Ukraine

Liebe Unterstu╠łtzer:innen von Space-Eye,

meine Frau Susanne und ich leben seit u╠łber 20 Jahren im Raum Regensburg und sind beide im Ruhestand. Seit la╠łngerer Zeit unterstu╠łtzen wir Space-Eye, fru╠łher auch Sea-Eye.

Zur Unterstu╠łtzung von Space-Eye haben wir folgende Idee:

Meine Schwester Dr. Ina Bartelmann war A╠łrztin und hat zu Lebzeiten nebenberuflich viele Bilder gemalt. Neben eigenen Entwu╠łrfen hat sie auch bekannte Bilder interpretiert, ohne jedoch Kopien anfertigen zu wollen.

Es sind im Laufe der Jahre um die 1.500 Bilder zusammengekommen. Einen Gro├čteil der Bilder wollen wir Space-Eye zur Verfu╠łgung stellen:

 

Hier zur Galerie:

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Ich habe die Bilder abfotografiert, nach Motiven grob vorsortiert und hier vero╠łffentlicht. Am angelegten Ma├čstab la╠łsst sich die Gro╠ł├če des Bildes abscha╠łtzen. Jede Unterstu╠łtzerin, jeder Unterstu╠łtzer kann nun ein oder mehrere Bilder auswa╠łhlen und per Mail bei mir bestellen. Die Bilder sind preislich nach Gro╠ł├če gestaffelt:

 

Gro╠ł├če bis 20 x 30 cm: 10 Euro

Gro╠ł├če bis 30 x 40 cm: 20 Euro

Gro╠ł├če u╠łber 30 x 40 cm: 30 Euro

Es handelt sich hierbei um Mindestbetr├Ąge. Sie k├Ânnen selbstverst├Ąndlich einen┬áh├Âheren Betrag spenden.

Der Betrag geht 1:1 zu Space-Eye. Hinzu kommen lediglich Kosten fu╠łr Verpackung und Porto.

Die Bestellung mo╠łgen Sie bitte unter Angabe der Bildnummer(n) per Mail (bartelmann@t-online.de) aufgeben.

Dr. Ulrich Bartelmann

Nishimbe, eine starke Frau aus Burundi

Nishimbe, eine starke Frau aus Burundi

Vergewaltigung, drohende Prostitution, Pushback und Klage beim Europa╠łischen Gerichtshof fu╠łr Menschenrechte in Stra├čburg!

Von Ursula Wohlgefahrt

Nishimbe ist viel zu aufgeregt, um ein Interview zu Hause im Studio von Space-Eye┬ázu geben, das sie sich mit einer anderen jungen Frau teilt. Sie wu╠łnscht, an einen neutralen Ort zu gehen, wo sie ruhig sprechen ko╠łnnte. Auf dem Weg in eine Kaffeebar auf Samos verliert sie noch eine ID-Karte. Wir suchen gemeinsam. Im Kaffee kann sie kaum still sitzen. Der ganze Ko╠łrper ist immer in Bewegung. Eine Verschiebung des Interviews lehnt sie ab. Da beginne ich ihr zu erza╠łhlen, dass ich mich gestern Abend auf den heutigen Tag vorbereitet habe und meinen Partner fragte, ob er wisse, wo Burundi sei? Wir haben beide falsch gescha╠łtzt und auf Google herausgefunden, dass das Land im Osten von Afrika liegt, eingebettet zwischen Ruanda im Norden, Tansania im Osten und dem Kongo im Westen. Auch ha╠łtten wir rausgefunden, dass der Nil zwei Flussla╠łufe hat und der eine Flusslauf, der Wei├če Nil, seine Quelle in Burundi habe. Die Geschichte u╠łber das Land habe mich erschu╠łttert, mit dem eher friedlichen Zusammenleben der Hutu und der Tutsi bis zum Einmarsch der Belgier im Jahr 1916. Von da an beka╠łmpften sich die beiden Ethnien ÔÇô bis heute.

Zu welcher Ethnie sie denn geho╠łre? Zu den Tutsis, erwidert mir Nishimbe. Sie lebte mit ihrer Familie bestehend aus Vater, Mutter, einem Bruder und einer ju╠łngeren Schwester in der Hauptstadt Bujumbara. Ihre Mutter habe ta╠łglich am Markt einen Stand gehabt und Tomaten, Zwiebeln, Reis und Mehl verkauft. Der Vater war Fahrer ho╠łherer Politiker der Oppositionspartei. Eine andere Arbeit fand er nicht. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch, und Burundi ist das a╠łrmste Land der Welt. Eines Tages durfte Nishimbe die Schule ab der 12. Klasse nicht mehr besuchen. Es sei zu gefa╠łhrlich fu╠łr Kinder, deren Eltern in der Oppositionspartei sei, oder fu╠łr diese arbeite. Sie ist dann dre Jahre zu Hause geblieben.

Eines Abends erschienen bei ihnen eine bewaffnete, vermummte Gruppe der Burundischen Polizei, der Imbonerac. Die Familie wurde aufgefordert, sich in einem Raum zu versammeln. Nishimbe musste sich entbl├Â├čen, sie wurde gepackt und brutal vor den Augen ihrer Familie vergewaltigt. Der Vater hat laut aufbegehrt und wurde auf der Stelle mit zwei Kugeln in die Brust erschossen. Dann hat der Bruder aufgeschrien. Auch er wurde sofort erschossen, danach die Mutter. Die Polizei nahm die drei Leichname mit und lie├č sie und ihre Schwester im Raum zuru╠łck. Ob ihre Familie begraben wurde und wo das Grab ist, davon hat Nishimbe keine Ahnung. Irgendwann kam ein Freund der Familie und hat die beiden jungen Frauen mit seinem Auto nach Uganda in Sicherheit gebracht, in ein Heim fu╠łr Minderja╠łhrige einer christlichen Kirche. Die Schwester ging dort weiterhin zur Schule. Nishimbe hat dafu╠łr im Hausdienst mitgearbeitet.

Immer wieder kam ein Mann und erza╠łhlte im Heim, dass es in der Tu╠łrkei Arbeit gebe gegen gutes Geld. Es sei einfach gro├čartig. Die jungen Frauen mu╠łssten einfach nur mitkommen, die Organisation des Passes und die Reise seien alles bezahlt. Nishimbe dachte, es sei vielleicht ein Weg, wo sie doch noch an Geld fu╠łr ein Studium zur Krankenschwester kommen ko╠łnnte und willigte ein. In der Tu╠łrkei hat sich dann herausgestellt, dass es sich bei der Arbeit um Prostitution handelt. Dem ersten Freier, einem Afrikaner, erkla╠łrte sie, was mit ihr passiert war und dass sie u╠łberhaupt keinen Mann mehr beru╠łhren ko╠łnnte. Er verhalf ihr dann zur Flucht nach Izmir. Sie ist ihm ewig dankbar dafu╠łr.

Nishimbe lie├č sich nicht unterkriegen: Drei Jahre arbeitete sie in einer Lederfabrik in Izmir und half bei der Schuh- und Taschenproduktion. Dann wechselte sie in ein Restaurant und half in der Ku╠łche, wo immer Hilfe gebraucht wurde. In Izmir hatte sie ein kleines Einkommen, konnte sich u╠łber Wasser halten und sandte sogar ihrer Schwester ins Heim nach Uganda Geld.

Flu╠łchtlinge erza╠łhlten ihr von Europa, was dort alles mo╠łglich sein sollte. Sie erza╠łhlten ihr, dass in Europa, das von Izmir aus zum Greifen nahe ist, das gro├če Glu╠łck liege. Sie beschloss, dass sie dieses Glu╠łck auch haben mo╠łchte und zahlte auf einer Agentur fu╠łr die die Schmuggler und die U╠łberfahrt nach Lesbos 900 Euro.

Am 27.11.2020 bei Wind und Wellengang ist das Boot gestartet und durchna╠łsst ist sie auf Lesbos angekommen. Die Mitfahrer haben ihr noch geholfen aus dem Dingi auszusteigen. Dann hat sie sich mu╠łhsam in den Gebu╠łschen am Strand versteckt. Sie konnte nicht mehr. Eine K├Ârperh├Ąlfte war von den Armen bis zum Fu├č wie gel├Ąhmt. Zwei Tage blieb sie so liegen, bis sie sich schlie├člich aufraffte. Fischer zeigten ihr, in welche Richtung sie zu gehen habe. Humpelnd erreichte sie nach langer Zeit eine Landstra├če.

Plo╠łtzlich hielt ein Bus und lud sie auf. Es war aber nicht die versprochene Hilfsorganisation, sondern die Polizei, die sie und die restlichen Mitreisenden auflud und zu einem Feld in der Na╠łhe des Flugplatzes brachte. Es war der Abend des 29.11.2020. Nun hatte sie bereits seit zwei Tagen nichts gegessen und getrunken, und es sollte noch schlimmer kommen. Auf dem Feld wurden sie angewiesen, dass die Ma╠łnner auf der linken Seite und die Frauen auf der rechten Seite sich splitternackt auszogen. Ihnen wurden sa╠łmtliches Geld, Rucksa╠łcke und die Handys angenommen. Dann zogen die Polizisten die Gu╠łrtel aus und schlugen die splitternackten, frierenden und hungernden Asylsuchenden wahllos. Sie wurden wieder angewiesen, ihre Kleider anzuziehen und in den Bus zu steigen, der sie zum Hafen brachte. Dort wurden sie in ein Frontex-Boot getrieben. Die Frontex fuhr aufs Meer hinaus und wasserte nach ein paar Kilometer zwei Dingi. Sie wurden angewiesen, in die Dingi zu steigen und die Frontex fuhr davon. Stunden spa╠łter wurde sie von der tu╠łrkischen Ku╠łstenwache gesichtet und mitgenommen. Nishimbe war ko╠łrperlich in einem so schlechten Zustand, dass sie drei Monate in einem Spital in Izmir aufgepa╠łppelt und therapiert werden musste. Ihre Motorik hat sie bis heute nicht wieder vollsta╠łndig zuru╠łckerlangt. Sie hat einen hinkenden Gang.

Dieser Pushback wurde bei Hilfsorganisationen auf Lesbos publik. Ein Anwalt aus Athen meldete sich bei Nishimbe, noch als sie im Spital war. Sie hat zusammen mit einem jungen Mann gegen das Vorgehen der Polizei und der Frontex Klage beim Europa╠łischen Gerichtshof fu╠łr Menschenrechte erhoben. Die Klage ist noch anha╠łngig.

Da bei einer Einzahlung des Fahrpreises zur U╠łberfahrt bei einer Agentur das Geld erst an die Schlepper ausbezahlt wird, wenn f├╝nfmal keine erfolgreiche U╠łberfahrt und Ankunft beim Camp stattfand, oder bei einer erfolgreichen U╠łberfahrt und Ankunft beim Camp, so hatte sich Nishimbe entschieden, am 6.7.2021 nochmals eine U╠łberfahrt nach Europa zu wagen. Sie landete nun auf Samos.

Nishimbe durfte nach ihrem Spitalaufenthalt in einen Container im alten Camp auf Samos. Ihr wurde in sehr kurzer Zeit Asyl gewa╠łhrt. Junge Afrikanerinnen haben mich gebeten, ob ich nicht noch ein Bett in einem Studio freih├Ątte, sie wu╠łrden eine nette, ganz starke junge Frau kennen. Seit September 2021 lebt Nishimbe in einem Studio von Space-Eye und ist glu╠łcklich. Sie mo╠łchte dort einfach ihre Ruhe haben. Sie hat gar kein Vertrauen mehr zu Menschen, besonders zu den Ma╠łnnern. Da sie niemanden hier in Europa hat, oder kennt, wu╠łrde sie gerne auf Samos bleiben. Doch die Arbeitssituation hier ist alles andere als gut. Eine Stelle als U╠łbersetzerin fu╠łr afrikanische Sprachen wu╠łrde ihr gefallen. Ich bin sicher, dass sie mit ihrem starken Willen wieder sich selbst durchbringen kann, trotz ihrer ko╠łrperlichen Einschra╠łnkung durch die erste U╠łberfahrt nach Lesbos undf dem Pushback.

ÔÇ×UschiÔÇť

Ursula Wohlgefahrt lebt auf Samos und k├╝mmert sich ÔÇ×hauptamtlichÔÇť um gestrandete Fl├╝chtlinge ÔÇô Menschen, die zwar eine Anerkennung als Asylberechtigte haben, aber kein Geld, keine Unterkunft und keine Ausreisepapiere. F├╝r┬áSpace-Eye┬ábetreibt ÔÇ×UschiÔÇť auf Samos ein Housing-Project, das inzwischen rund 90 Menschen Unterkunft bietet.

Flucht ├╝ber die Grenzmauer: Beim 15. Versuch hat’s geklappt!

Flucht ├╝ber die Grenzmauer: Beim 15. Versuch hat’s geklappt!

Von Ursula Wohlgefahrt und Marie-Th├ęr├Ęse Najjar┬á

Aleppo war fr├╝her eine prosperierende Stadt in Syrien mit Wirtschaft, Handwerk und Universit├Ąten.
Dort betrieb der Vater von Morris eine Werkstatt und Verkauf f├╝r hochwertige M├Âbel mit Schnitzereien. Der Vater fertigte die M├Âbel selbst liebevoll in stundenlanger Kleinarbeit an. Morris schaute ihm als Kind oft zu. Vor elf Jahren starb der Vater unerwartet mit 44 Jahren an einer Embolie.

Die Mutter hat danach den Laden vermietet. Morris war gerade acht Jahre alt, als dies geschah. Die Miete hatte jedoch nicht gereicht, um die Familie zu ern├Ąhren. So mussten Sie zu den Verwandten ziehen, und die Mutter hat auch ihr Haus vermietet, um von den Mieteinnahmen notd├╝rftig zu leben. Mit dem Krieg sank der Wert des syrischen Pfundes stetig, und so musste Morris schon fr├╝h nach der Schule in einer T-Shirt-Fabrik arbeiten, um die Familie mitzuern├Ąhren. Die Bomben hatten Aleppo fast zur Unkenntlichkeit zerst├Ârt. Morris’ Familie hat in den Tr├╝mmern ├╝berlebt. Mit dem ├älterwerden wuchs in der Familie die Angst immer mehr, Morris k├Ânnte f├╝rs Milit├Ąr rekrutiert werden. Der Mutter graute davor. Ihr war lieber, ihr Sohn versuche die Flucht nach Europa, als sinnlos im Krieg zu sterben. So verkaufte die Mutter erhaltene Wertsachen und ├╝bergab dem Sohn das Geld.

Die Familie von Morris sind gl├Ąubige Christen. Mit ihren Nachbarn, den Muslimen und anderen Religionen, hatten sie nie Probleme. Sie waren ja fr├╝her ihre guten Kunden. ├ťber die Religion wurde nicht gesprochen. Man merkte h├Âchstens an den Vornamen, zu wessen Richtung der andere geh├Ârte. Aber das st├Ârte in Aleppo niemanden.

Mit den Schmugglern hatte er abgemacht, dass sie nach der Grenze mit einem Fahrzeug auf ihn warten und ihn nach Istanbul bringen. F├╝r die sichere Fahrt durch die T├╝rkei und den Aufenthalt in Istanbul musste er im Voraus 3.000 Dollar bezahlen. 15-mal hat er versucht, ├╝ber die hohe Grenzmauer zu klettern. 14-mal ist es ihm misslungen. Er wurde von der Grenzpolizei abgefangen, geschlagen und ins Gef├Ąngnis gesteckt und nach einigen Tagen wieder zur├╝ck nach Syrien gebracht. ┬áDie Grenzpolizei war besonders w├╝tend, dass er ein Tattoo mit einem christlichen Kreuz am Arm tr├Ągt, und sie beschimpfen und schlugen ihn deswegen. Jeden zweiten Tag hat er es trotzdem danach wieder versucht.

Von Istanbul ist er auf dem Landweg weiter marschiert und hat achtmal versucht, den Grenzfluss Evros zu ├╝berqueren. Dann gelang es ihm in Edirne, noch auf der t├╝rkischen Seite, sich heimlich in einem Lastwagen zu verstecken und ├╝ber die Grenze zu fahren ÔÇô nach Athen. In Athen angekommen, machte sich der Fahrer ans Entladen der Waren und erschrak sich dabei halb zu Tode, als er den jungen, dehydrierten und hungernden Morris zwischen seiner Ladung vorfand.

Morris war insgesamt 8,5 Monate von Aleppo bis nach Athen unterwegs. In Athen ist er v├Âllig mittellos angekommen. Er hat sich von allem ern├Ąhrt, was er vorfand und was ihm von andern Menschen auf der Flucht angeboten wurde, was er sehr dankbar annahm. Die Schlepper hatten ihm den letzten Dollar abgekn├Âpft.

Nun hat er in unserer M├Ąnner-WG in Athen Obdach gefunden, wo er mit sechs weiteren M├Ąnnern zusammenlebt. Hier hat er ein sauberes Bett und erh├Ąlt t├Ąglich ein leckeres Mittagessen aus der K├╝che der Armenisch-Katholischen Kirche. Auch f├╝r das Morgen- und Abendessen wird gesorgt.

Morris hat Tanten in Deutschland, welche ihn bisweilen unterst├╝tzen. Sein gro├čes Ziel ist jedoch nicht Deutschland, sondern Holland, weil dort ein Familiennachzug nach einiger Zeit beantragt werden kann. Er m├Âchte unbedingt seine Mutter und seinen 13-j├Ąhrigen Bruder zu sich holen, damit die Familie wieder zusammen ist. Das ist sein gro├čer Traum. Auch m├Âchte er nochmals das Gymnasium besuchen und vielleicht studieren. Die F├Ącher Mathematik, Physik und Bio liegen ihm besonders. Er wei├č, dass dies ein hochgestecktes Ziel ist, doch um dies zu erreichen, lernt er t├Ąglich auf YouTube niederl├Ąndisch. Doch Syrien wird er nie vergessen.