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Wenn der Feind die eigene Familie ist

Der Kongo ist kein einfaches Land, ist es nie gewesen. Googelt man die Situation im Internet, findet man unter anderem dies hier: ÔÇ×Wegen der aktuellen Situation sind im Jahr 2022 ├╝ber f├╝nf Millionen Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht. Das sind so viele wie in keinem anderen afrikanischen Land. Vor allem im Osten der DR Kongo sind die K├Ąmpfe blutig.ÔÇť

Und trotzdem wird es in diesem Beitrag nicht um diesen Konflikt gehen. Es geht um einen manchmal ├╝bersehenden und trotzdem anerkannten Fluchtgrund: Der geschlechtsspezifischen Gewalt, insbesondere, wenn die staatlichen Stellen nicht in der Lage oder Willens sind, die Betroffenen zu sch├╝tzen.

Amna w├Ąchst im Kongo auf. Als wir sie treffen, ist dies nicht im Kongo, sondern in einer kleinen Wohnung, von Space-Eye Hellas angemietet, in Athen. Zu diesem Zeitpunkt hat Amna vier Kinder.

Geboren wurde sie in einem kleinen Dorf in der Provinz Bangala. Die Familie zieht, als sie noch klein ist, in die Hauptstadt Kinshasa. Ihre Mutter ist die zweite Frau ihres Vaters, der zu diesem Zeitpunkt insgesamt mit drei Frauen verheiratet ist. Doch ihre Mutter verl├Ąsst die Familie und kurz darauf verstirbt der Vater. Amna ist gerade einmal zehn Jahre alt, als ihr Leidensweg beginnt. Die dritte Frau ihres Vaters nennt sie eine Hexe, macht sie ├Âffentlich f├╝r den Tod des Vaters verantwortlich und sagt auch, dass die Mutter ihretwegen weggelaufen sei.

Leider kommt es nicht so selten vor, dass Kinder als Hexen bezeichnet werden und dann von allen gemieden werden. Und so geht es auch Amna. Sie wird isoliert und schlie├člich vertrieben. Amna schl├Ągt sich alleine zu ihrer Gro├čmutter durch, die sie zumindest als Dienstmagd beherbergt. Amna muss sich ihr Essen verdienen. Manchmal darf sie im Haus schlafen, oft aber auch nicht.

Eines Nachts, Amna ist dreizehn Jahre alt, ├╝bernachtete sie in einem unverschlossenen Schulgeb├Ąude. Irgendwelche Kerle dringen ein und vergewaltigten sie. Sie wird von ihrer Gro├čmutter abgewiesen und vertrieben, lebt nun ganz auf der Stra├če. Und: Amna ist schwanger geworden, wei├č nicht so richtig, was mit ihr und ihrem K├Ârper geschieht. Sie trifft auf eine Gruppe M├Ądchen und junger Frauen und schlie├čt sich ihnen an. Wenn nichts mehr geht, verdienen sie ihren Lebensunterhalt durch Prostitution. Im Kreis dieser Frauen bringt Amna ihr erstes Kind zur Welt. Doch sie kann es nicht ern├Ąhren, gibt es in ihrer Verzweiflung zur Gro├čmutter.

Amna ist sehr h├╝bsch. Eine Organisation, die Modeschauen veranstaltete, wird auf sie aufmerksam. So arbeitete Amna immer wieder als Model. Sie lernt neue Leute kennen und darunter auch einen jungen Mann, der sich in sie verliebt. Sie heiraten und bekommen zwei Kinder.

Es folgt eine gute Zeit in Amnas Leben. Obwohl sie ihrem Mann die Wahrheit ├╝ber ihre Vergangenheit erz├Ąhlt, st├Â├čt er sie nicht zur├╝ck, sondern holt sogar ihren ersten Sohn von der Gro├čmutter zur├╝ck. Ihr Mann verdient gut. Amna wei├č nicht genau, womit.

Ihr Mann wird durch das Geld begehrt, bringt immer wieder andere Frauen mit nach Hause. Amna hat nicht mehr das Recht, im eigenen Haus zu sein und nur noch zu sprechen, wenn er es ihr erlaubt.

Eines Tages erh├Ąlt Amna einen Anruf aus Angola. Ihre Mutter sei krank. Wie sich herausstellen wird, ist sie Opfer eines Anschlags geworden. Man brauche Geld, um die Behandlung bezahlen zu k├Ânnen. Doch sie selbst hat kein eigenes Geld. Ihr Mann, inzwischen auch mit einer anderen Frau verheiratet, will sie nicht unterst├╝tzen. Sie verkauft, was sie hat, unter anderem den Goldschmuck von ihrer Hochzeit und schickt das Geld nach Angola. Doch es ist zu sp├Ąt. Ihre Mutter ist bereits verstorben.

Und wieder wendet sich alles gegen Anma. Ihr Mann behauptet, sie sei schuld am Tod der Mutter. Ihre Verwandten h├Ątten recht gehabt, sie sei eine Hexe. Zuerst habe sie ihren Vater get├Âtet und jetzt auch noch ihre Mutter. Die Situation im Haus wird unertr├Ąglich.

Eines Tages sind alle aus dem Haus, ihr Mann bei der Arbeit, die andere Frauen, Besorgungen zu machen. Es erscheinen unbekannte M├Ąnner bei Amna. Sie suchen ihren Mann. Amna wei├č nicht, wo er ist. Die M├Ąnner gehen, kommen aber immer wieder zur├╝ck und bedrohen Amna. Sie sagen, sie kommen mit Macheten und t├Âten sie. Die M├Ąnner sagen ihr, ihr Mann habe viel Geld genommen. Sie wollten es jetzt zur├╝ck. Amna ist au├čer sich vor Angst. Sie wei├č nicht, an wen sie sich wenden soll, um Hilfe zu erhalten.

Als die M├Ąnner ein drittes Mal kommen, foltern sie mit der S├Ąure, ver├Ątzen ihre Armen. Als sie immer noch nicht das bekommen, was sie wollen, vergewaltigen sie Amna.

Amna wei├č, sie werden sie nicht in Ruhe lassen. Und niemand wird ihr beistehen. Dies ist der Moment, an dem sie beschlie├čt, mit ihren Kindern das Land zu verlassen. Im Dezember 2015 fliehen in die T├╝rkei. Dort bleiben sie ein paar Monate, eine Tante in Europa schickt ihnen Geld. Im M├Ąrz 2016 kommt Amna mit ihren Kindern in Griechenland an, auf Lesbos. Jetzt muss sie im Elendscamp Moria warten, ob ihr Antrag auf Asyl akzeptiert wird. Ein Jahr bleibt sie auf Lesbos, darf dann weiter nach Athen.

Sie trifft einen Mann, der ihr hilft, eine Wohnung zu mieten. Sie verliebt sich. Und wird erneut schwanger. Doch so ernst war es dem Mann nicht. Er hat andere Freundinnen, hat nicht vor, sich um Amna und sein Kind zu k├╝mmern.

Durch einen Zufall lernt Amna Space-Eye kennen und kann in einer kleinen Wohnung untergebracht werden. Sie erz├Ąhlt uns, es habe Zeiten gegeben, in denen sie nicht einmal einen Euro hatte, um ihren Kindern Brot kaufen zu k├Ânnen. Jetzt habe sie immer Spaghetti im Haus. Damit die Kinder immer etwas zu essen haben, egal wie schlecht die Situation wieder werden k├Ânnte.

Amna m├Âchte alles daf├╝r tun, dass ihre Kinder nicht das Leben haben m├╝ssen, das sie selbst hatte. Sie w├╝nscht sich f├╝r sie eine gute Schulbildung, einen Job, ein Leben in Freiheit.

Das Projekt darf nicht enden! Sie m├Âchten Space-Eye Hellas unterst├╝tzen?
https://www.betterplace.org/de/projects/108378-health-network
https://space-eye.org/hellas