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Von Ursula Wohlgefahrt

Ich bin Abdul Karrar Mohammed. Ich wurde in Syrien als Flu╠łchtlingskind im Camp Yarmouk, am Rande der Stadt Damaskus geboren. Dort lebte und arbeitete ich. Ich fu╠łhrte ein Baugescha╠łft und hatte 20 bis 25 Mitarbeiter. Mit meiner Frau habe ich f├╝nf Kinder.

Meine Gro├čeltern stammen aus der Stadt Safed in Pala╠łstina. Dies ist eine der wichtigsten Sta╠łdte fu╠łr die Juden in Pala╠łstina. Im Jahre 1948 wurden meine Gro├čeltern mit unza╠łhligen andern Pala╠łstinenser nach Syrien deportiert. Anfa╠łnglich war Yarmouk ein Zeltlager nur fu╠łr Pala╠łstinenser. Dann erlaubte die UNO den Pala╠łstinensern, den Boden zu kaufen und darauf Ha╠łuser zu erstellen. Es bildete sich eine Stadt von ca. vier Quadratkilometern. Meine Familie baute sich dort ein neues Leben auf und ich war mit meinem Baugescha╠łft erfolgreich.

Seit Ausbruch des Krieges im Jahr 2013 wurde Yarmouk von der syrischen Armee belagert. Es kam kein Essen mehr in die Stadt. Wir a├čen alles, was wir fanden, nur zum U╠łberleben, sogar das Gras im Stadtpark. Nach neun Monaten der Belagerung konnte meine Frau mit einer Tochter die Stadt verlassen, um Nahrungsmittel zu beschaffen. Sie wurde bei der Ru╠łckkehr geschnappt und durfte die Stadt nicht mehr betreten. Ich habe die restlichen vier Kinder angewiesen, zur Mutter au├čerhalb der Stadt zu gehen. Meine Frau und meine Kinder wurden anschlie├čend in den Libanon deportiert. Seitdem leben sie dort in einem der gr├Â├čten Zeltlager. Ich habe sie seitdem nicht wieder gesehen. Es war der 4 .5. 2014. Ich wurde angewiesen, im Camp zu verbleiben. Ich versuchte, meine Baumaschinen und mein ganzes Inventar von meinem Baugescha╠łft so gut es ging, zusammen mit verbleibenden Angestellten, zu retten. Das Camp wurde weiterhin belagert und beschossen, und die im Camp U╠łbriggebliebenen haben sehr unter den Repressalien der Belagerung gelitten. Der Hunger war schlimm und ta╠łglich starben Menschen an Untererna╠łhrung. Dann im Mai 2018 wurden die restlichen Bewohner von Yarmouk in den Norden von Syrien deportiert, ins Lager Dair Ballout, in der von der Tu╠łrkei bewachten Zone. Sie nennen es nach einer pala╠łstinensischen Stadt im Westjordanland, weil nur Pala╠łstinenser dort wohnen. Wir konnten nur das Allerno╠łtigste in einer kleinen Tasche mitnehmen. Als wir weggebracht wurden, kam die syrische Armee und nahm alles mit aus unseren Ha╠łusern, was u╠łbrig blieb. Die Deportation fand mit alten Reisebussen statt, welche u╠łberfu╠łllt waren. Meine Eltern und mein Bruder mit der Familie leben heute noch in Dair Ballout. Unterstu╠łtzt wird das Lager von der tu╠łrkischen Organisation AFAT. Ohne die Tu╠łrkei ga╠łbe es uns heute nicht mehr. Dort gelang mir die Flucht und ich konnte dank Schmugglern die tu╠łrkische Grenze u╠łberqueren. In der Tu╠łrkei blieb ich neun Monate. Dann bin ich mit dem Boot am 27. 9. 2019 nach Samos gekommen. Leider kann kein Pala╠łstinenser mehr in den Libanon. Dies ist uns untersagt. Gerne wa╠łre ich zu meiner Familie zur├╝ck gegangen.

Ich habe im Camp in Samos als alter, alleinstehender Mann sehr gelitten. Ich lebte in einem kleinen Zelt und hatte nichts, das meiner Gesundheit fo╠łrderlich wa╠łre. Ich litt psychisch unter den widrigen Lebensumsta╠łnden, Hunger und keinem Geld. Meine Familie im Libanon erwartet von mir, dass ich sie finanziell unterstu╠łtzen ko╠łnne, doch dies ist bei weitem nicht der Fall. Nun habe ich seit sieben Jahren meine Familie nicht mehr gesehen. Das zerrt an mir. Ich wu╠łnsche mir so sehr, dass ich meine Frau und meine Kinder einmal wiedersehen kann und mit ihnen vereint an einem sicheren Ort glu╠łcklich leben kann, weit weg vom Krieg. Am liebsten wu╠łrde ich in Holland wohnen.

Ich bin so dankbar fu╠łr die Unterstu╠łtzung durch Space-Eye. Aller herzlichsten Dank, dass ich nun in einem normalen Bett in einem so guten Zimmer schlafen und leben kann.

ÔÇ×UschiÔÇť

Ursula Wohlgefahrt lebt auf Samos und k├╝mmert sich ÔÇ×hauptamtlichÔÇť um gestrandete Fl├╝chtlinge ÔÇô Menschen, die zwar eine Anerkennung als Asylberechtigte haben, aber kein Geld, keine Unterkunft und keine Ausreisepapiere. F├╝r┬áSpace-Eye┬ábetreibt ÔÇ×UschiÔÇť auf Samos ein Housing-Project, das inzwischen rund 90 Menschen Unterkunft bietet.