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2019 geht’s los: Space-Eye startet die Satelliten-Überwachung +++ It starts in 2019: Space-Eye launches satellite surveillance

Aktuelles von der Seenotrettung

Kriegsversehrte aus der Ukraine bei Space-Eye

Kriegsversehrte aus der Ukraine bei Space-Eye

Ein Mann mit nacktem Oberkörper steht in einem gefliesten Raum mit gesenktem Kopf vor einem Spiegel. Ihm fehlt der linke Arm.

Die Folgen des Ukrainekriegs spĂŒrt Yurij Sukhotin am eigenen Leib. Durch einen Raketenbeschuss wurde ihm der Arm weggerissen.

Bildrechte: BR/Sebastian Grosser

 

Eine Hand hĂ€lt ein Mobiltelefon, auf dessen Bildschirm zu sehen ist ein Foto, das einen verletzten Mann mit blutĂŒberströmten Gesicht zeigt.

Ihor war auf dem Weg an die Front, als er in einen Hinterhalt geriet und beschossen wurde. Das Foto zeigt ihn verletzt nach dem Angriff.

Bildrechte: BR/Sebastian Grosser

 

Ein Mann sitzt an einem Tisch, vor ihm steht eine Frau und gestikuliert erklÀrend mit den HÀnden, im Hintergrund BlÀtter aus Papier an der Wand mit kurzen deutschen Phrasen.

Yurij Sukhotin beim Deutsch-Unterricht, den Space-Eye fĂŒr ukrainische FlĂŒchtlinge organisiert hat.

Bildrechte: BR/Sebastian Grosser

 

Ein Mann sitzt vornĂŒbergebeugt auf einer Liege, eine zweite Person umfasst seinen linken Fuß zur Behandlung.

Ihor Zubritzskyi bei der Physiotherapie: Der 38-jĂ€hrige Berufssoldat will, sobald es geht, zurĂŒck in die Ukraine zu seinen Kameraden.

Bildrechte: BR/Sebastian Grosser
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Ukrainische Verwundete in Bayern: Den Krieg vor Augen

Verbrannte Gesichter, zerfetzte Arme und Beine: Seit Kriegsbeginn wurden und werden in bayerischen KrankenhÀusern 87 ukrainische Verwundete behandelt. Doch auch nach dem Klinikaufenthalt sind die Betroffenen auf Hilfe angewiesen.

Von Sebastian Grosser (BR)

 
Wenn Yurij Sukhotin seinen Körper im Spiegel betrachtet, sieht er die Folgen des Ukraine-Kriegs. Dem 27-JĂ€hrigen fehlt der linke Arm. Durch einen Raketenbeschuss wurde er ihm weggerissen, als er Ende April in Luhansk in der umkĂ€mpften Ostukraine eingesetzt war. Dort, wo einmal sein linker Arm war, prangt jetzt eine frische Narbe. Mehrere Operationen hat Yurij hinter sich, unter anderem auch in Bayern. Seit gut vier Monaten lebt er mit seiner Familie in Regensburg, in einem Haus der Hilfsorganisation Space-Eye. Doch mit den Gedanken ist der Berufssoldat immer noch in der Ukraine. “Ich beobachte die Situation in der Ukraine pausenlos. Ich telefoniere, schaue Nachrichten, versuche irgendwie einen Überblick zu behalten.” Auch wenn Yurij wohl keine Waffe mehr halten können wird, der Krieg lĂ€sst ihn nicht los. “Ich habe einen Eid geschworen auf die Ukraine und das ukrainische Volk. Es ist eine schwierige Situation fĂŒr mich, denn ich möchte was tun.”
 
 

Kriegsverwundete in deutschen KrankenhÀusern

Das Schicksal von Yurij Sukhotin teilen viele Soldaten, die derzeit in Deutschland behandelt werden. Allein in Regensburg sind es 13 Kriegsverletzte. Ein Teil davon wurde oder wird noch an der Regensburger Uniklinik behandelt. So auch Ihor Zubritzskyi. Er sitzt auf seinem Krankenbett in der Station fĂŒr Unfallchirurgie. Es ist die letzte Visite, bevor der Soldat entlassen wird. “Im Moment sieht alles sehr gut aus. Die Wunden sind gut verheilt. Sie sind ja auch noch ein junger Mann. Das wird gut”, bewertet Chefarzt Volker Alt die Verletzung am Bein, ausgelöst durch einen Schuss. Ihor war auf dem Weg an die Front in der NĂ€he von Donezk, als er in einen Hinterhalt geriet und beschossen wurde. Neben seinem Bein wurde auch ein Benzinkanister getroffen. Ihor konnte aus dem Auto springen und sich in einen Graben retten, wo er mehrere Tage verbrachte, blutĂŒberströmt und mit Verbrennungen im Gesicht.

 
 

Kriegsverletzungen: Wundinfektionen bis Amputationen

Die Wunden sind inzwischen gut verheilt. Nur um sein Kniegelenk muss Ihor noch eine Vorrichtung aus mehrere StĂ€ben tragen, die das Gelenk in der richtigen Position hĂ€lt. Nach seiner Ankunft in der Uniklinik war es den Ärzten vorerst wichtig, eine Infektion zu verhindern. Denn Wundinfektionen sind bei Kriegsverletzungen nicht selten, sagt Unfallchirurg Alt. “Das Perfide daran ist, dass durch Projektile oder Granatsplitter Bakterien in den Körper eintreten, die dann schwere Wundinfektionen hervorrufen können. Unbehandelt fĂŒhrt das oft zu einer Blutvergiftung und im schlimmsten Fall bleibt als einzige Möglichkeit nur die Amputation.”

Ukrainische Kliniken: Mangel an Ressourcen

Wie langwierig die Behandlung einer Wundinfektion sein kann, sieht man ein paar Zimmer weiter. Hier lebt ein ukrainischer Soldat schon mehrere Monate. Der Mann, der bereits vor dem Ukraine-Krieg im Donbas gekÀmpft hat, hat zudem multiresistente Keime in seinem Körper. Nur mit Kittel und Handschuhen darf man den Raum betreten. Alt glaubt nicht, dass der Mann in der Ukraine unprofessionell behandelt wurde.

“Die ersten Operationen in den KrankenhĂ€usern und von den Kollegen in der Ukraine sind chirurgisch sauber gemacht. Aber natĂŒrlich mit limitieren Ressourcen.” Prof. Volker Alt, Unfallchirurgie Uniklinik Regensburg

In Regensburg sei man auf solche FĂ€lle spezialisiert. Eine Luxussituation, von der auch die ukrainischen Verwundeten profitieren sollen.

EU: Über 500 Patiententransporte aus Ukraine

Laut dem Bundesgesundheitsministerium hat Deutschland die meisten ukrainischen Kriegsverletzten aufgenommen. “Dabei wird nicht zwischen militĂ€rischen und zivilen Kriegsverletzten unterschieden“, so eine Pressesprecherin auf BR-Anfrage. Daher könne die genaue Anzahl der ukrainischen Soldaten, die sich in Deutschland und Bayern in Behandlung befinden, nicht beziffert werden. Das Bayerische Innenministerium spricht von ĂŒber 500 ukrainischen Kriegsverletzten in Deutschland, 87 davon wurden in bayerischen KrankenhĂ€usern aufgenommen. Ein Großteil der Kosten fĂŒr den Transport ĂŒbernimmt die EuropĂ€ische Union. Die Kosten fĂŒr Behandlung oder zum Beispiel fĂŒr Prothesen in Deutschland werden seit Juni von der gesetzlichen Krankenkasse ĂŒbernommen, sofern die Verwundeten bei der AuslĂ€nderbehörde registriert sind.

 

Nach Klinikaufenthalt: Hilfe fĂŒr den Alltag gefragt

ZurĂŒck im WohngebĂ€ude der Hilfsorganisation Space-Eye. In einem kleinen Raum im Erdgeschoss befinden sich zwei Tischreihen und eine Tafel, auf der verschiedene GemĂŒsesorten stehen. In der ersten Reihe sitzt Yurij Sukhotin. Der Berufssoldat versucht das Beste aus seiner Situation zu machen. Er hilft selbst neuen FlĂŒchtlingen, erledigt Arbeiten, trotz seines Handicaps. Daneben nimmt er Deutsch-Unterricht, den Space-Eye fĂŒr ukrainische FlĂŒchtlinge organisiert hat. Im Nebenraum gibt es sogar ein Kinderzimmer, damit auch MĂŒtter das Angebot wahrnehmen können, erklĂ€rt die ehrenamtliche Helferin Christiane Lederer.

“Der Krieg ist ein Angriff auf unsere Werte. Und daher war vom erstem Moment ein inneres GefĂŒhl da: Ich muss hier was tun, was ich tun kann.” Christiane Lederer, Space-Eye Regensburg

Bei Space-Eye kĂŒmmert sich die 40-JĂ€hrige um die ukrainischen FlĂŒchtlinge – neben ihrem Fulltime-Job. “Das Ganze ist schon ein Spannungsfeld, das alles mit Partnerschaft und Familie in Einklang zu bringen. Die Familie steckt da entsprechend zurĂŒck.” Doch der Angriffskrieg habe ihr keine Wahl gelassen.

Ehrenamtliche Helfer: Krieg kommt nÀher als gewollt

Wie bedeutend die Hilfe von Christiane Lederer fĂŒr die ukrainischen Verwundeten und ihre Familien ist, zeigt sich in einem einzelnen Moment. Als sie die Drei-Zimmer-Wohnung der Familie Sukhotin betritt, stĂŒrmt Yurijs Tochter auf die 40-JĂ€hrige zu und klammert sich innig um ihren Hals. Das MĂ€dchen wird Lederer wĂ€hrend des ganzen Besuchs nicht mehr loslassen. Wie der Krieg auch Lederer nicht. Er ist ihr sehr nah. Helfer wie Lederer bekommen viel zu sehen, vor allem Fotos und Videos aus dem Krieg. Am Anfang sei das schon verstörend gewesen, sagt ein Übersetzer. “Aber man stumpft ab.” Inzwischen könne er die schrecklichsten Videos sehen und nebenbei sein MĂŒsli essen.

 
 

Verwundete Soldaten: ZurĂŒck an die Front?

Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus ist auch Ihor Zubritzskyi in dem Wohnkomplex am Rande der Regensburger Altstadt untergekommen. Christiane Lederer besucht ihn regelmĂ€ĂŸig. Sie organisiert fĂŒr ihn Arztbesuche oder die Physiotherapie, damit der 38-JĂ€hrige bald wieder ohne KrĂŒcken laufen kann. Ihor weiß die Hilfe sehr zu schĂ€tzen, auch wenn er sie nur so lang wie nötig in Anspruch nehmen möchte. Ihor will zurĂŒck in die Ukraine, zurĂŒck zu seinen Kameraden, die gerade in der Region Cherson kĂ€mpfen.

“Ich bin ihr Kommandeur. Selbst wenn ich hier bin, will ich ihnen helfen. Sie sind wie BrĂŒder fĂŒr mich.” Ihor Zubritzskyi, verwundeter ukrainischer Soldat

Mit seiner Hand streicht Ihor ĂŒber sein Handy. Ein Video geht los. Darauf zu sehen sind er und seine Kameraden in einem Transporter. Ihor deutet auf ein, zwei Personen. “Tot. Gefallen.”

BrĂŒckenpreis

BrĂŒckenpreis

Am 17. Oktober 2022 wurde der BrĂŒckenpreis der Stadt Regensburg an Michael Buschheuer verliehen.

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Video zur Verleihung am 17. Oktober 2022 (© Hans-Peter Buschheuer)

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Rede von OberbĂŒrgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer
(© Thomas Ratjen)

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Laudatio von Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner
(© Thomas Ratjen)

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Rede von Michael Buschheuer
(© Thomas Ratjen)

Judith – Das Leben ist nicht einfach

Judith – Das Leben ist nicht einfach

Von Eva Höschl

Marie-ThérÚse, Khalief, Paul und ich besuchen Judith und ihre vier Kinder Winner, Benni, Gloria und Grace in ihrer kleinen Wohnung in Athen. Judith hat sich dazu bereit erklÀrt, mir ihre Geschichte zu erzÀhlen. WÀhrenddessen werden Paul und Khalief die gesamte Wohnung streichen, sie hat es dringend nötig. Um uns herum wuseln die Kinder, Khalief und Paul sind bereits in der Arbeit vertieft. Judith beginnt zu erzÀhlen.

Judith wurde in einem kleinen Dorf in der Provinz Bangala, in der Demokratischen Republik Kongo, geboren. Mit fĂŒnf Jahren zog ihre Familie in die Hauptstadt Kinshasa. Ihre Mutter war die zweite Frau ihres Vaters, der insgesamt mit drei Frauen verheiratet war. Ihre Kindheit war sehr schwierig: ihre Mutter verließ die Familie und ging nach Angola. Kurz darauf starb ihr Vater, Judith war damals zehn Jahre alt. Die dritte Frau ihres Vaters nannte sie eine Hexe: deshalb sei ihr Vater gestorben und ihre Mutter weggezogen. Wenn man in Afrika als Hexe bezeichnet wird, wird man von allen gemieden. Judith wurde fortgeschickt. Sie beschloss, zu ihrer Großmutter zu gehen. Dort wurde sie wie eine Dienstmagd behandelt. Ihr Essen musste sie sich mit Arbeit verdienen. Manchmal durfte sie im Haus schlafen, oft jedoch musste Judith sich draußen einen Schlafplatz suchen.

Eines Nachts, Judith war dreizehn Jahre alt, ĂŒbernachtete sie in einem SchulgebĂ€ude, das nicht verschlossen war. WĂ€hrend sie schlief, kamen zwei Kerle in das GebĂ€ude und vergewaltigten sie. Ab diesem Zeitpunkt lebte sie auf der Straße – denn sie wusste, dass sie von ihrer Großmutter keine Hilfe erwarten konnte. Was sie nicht wusste: dass sie durch die Vergewaltigung schwanger wurde – mit 13 Jahren fehlte ihr dafĂŒr das VerstĂ€ndnis. Auf der Straße fand sie Anschluss an eine Gruppe MĂ€dchen und junger Frauen. Sie verdienten ihren Lebensunterhalt durch Prostitution. Um Essen und einen Schlafplatz zu bekommen, musste Judith sich ebenfalls prostituieren. Sie merkte, dass ihr Bauch grĂ¶ĂŸer wurde, dachte sich jedoch nichts dabei. Sie brachte ihren Sohn im Kreis der jungen Frauen zur Welt. Eine Woche spĂ€ter musste sie wieder als Prostituierte arbeiten. Deshalb gab sie ihr Baby zur Familie ihrer Großmutter.

Judith war als junges MĂ€dchen sehr hĂŒbsch. Eine Organisation, die Modeschauen veranstaltete, wurde auf sie aufmerksam. So arbeitete Judith nebenbei immer wieder als Model. Bei einer Modeschau sah sie ein Mann, der Judith bereits von frĂŒher kannte. Er verliebte sich in Judith, suchte ihre Großmutter auf und bat um ihre Hand. Judiths Mutter und ihre Tante hatten den Kontakt zu Judith abgebrochen, als sie erfuhren, dass sie als Prostituierte arbeitet. So wusste ihre Mutter auch nichts von ihrem Sohn Chris (Chris ist mittlerweile zwanzig Jahre alt, hat studiert und sein Diplom erhalten und lebt bei seinen Freunden.)

Judith und Henry* (*Name geĂ€ndert) heirateten und bekamen zwei Kinder. Henry kannte Judiths Geschichte und akzeptierte alles. Er holte Chris von der Großmutter zurĂŒck und Judith konnte zurĂŒck zur Schule gehen. Sie bekam ein Auto von ihrem Mann und die Familie hatte genug Geld fĂŒr ihren Lebensunterhalt. Der Beginn ihrer Ehe war die glĂŒcklichste Zeit in Judiths bisherigem Leben. Als ihre Mutter in Angola erfuhr, dass Judith geheiratet hatte, ihr Mann „eine gute Partie ist“ und etwas Geld hat, nahm sie wieder Kontakt zu ihr auf. Judith war glĂŒcklich darĂŒber, in dieser Zeit ihre Familie finanziell unterstĂŒtzen zu können: die BrĂŒder und Schwestern der anderen Ehefrauen ihres Vaters, die Cousins und Cousinen, ihre Mutter. Doch dann wurde ihr Mann sehr reich. Das verĂ€nderte ihn. Er sprach nicht mehr mit Judiths Freunden und auch sie selbst hatte plötzlich nicht mehr das Recht, in ihrem gemeinsamen Haus zu sprechen. Durch das Geld wurde Henry zum begehrten Mann. Er brachte andere Frauen mit nach Hause und schlief mit ihnen. Diese verĂ€nderte Situation war schwierig fĂŒr Judith. Sie suchte eine Möglichkeit, so oft wie möglich außer Haus sein zu können. Sie eröffnete eine kleine Boutique und arbeitete viel. Dann heiratete ihr Mann eine andere Frau. Diese zog ebenfalls in das Haus ein. In Afrika haben Frauen keine Rechte und MĂ€nner dĂŒrfen alles tun, was sie möchten. Frauen sind von ihren MĂ€nnern abhĂ€ngig, sie selbst haben nichts. Das einzige Recht der Frau ist, alles zu unterstĂŒtzen, was der Mann möchte. Judith versuchte, mit ihrem Mann ĂŒber die Situation zu sprechen, keine Chance.

Eines Tages erhielt Judith einen Anruf aus Angola, dass ihre Mutter krank ist. Was war passiert? Es war im Dorf ihrer Mutter bekannt, dass Judith mit einem Mann verheiratet ist, der Geld hat. Die anderen Dorfbewohner waren neidisch darauf, dass die Familie von Judith finanziell unterstĂŒtzt wird. Deshalb haben Dorfbewohner die Beine ihrer Mutter mit SĂ€ure verĂ€tzt. (Judith zeigt uns ein Video von ihrer schwer verletzten Mutter – man sieht die verĂ€tzten Beine.)

Ihre Familie bat Judith um Geld, um ihre Mutter im Krankenhaus behandeln lassen zu können. Doch sie selbst hatte nicht genug Geld und ihr Mann unterstĂŒtzte sie nicht mehr. So verkaufte Judith einen Teil ihres Goldschmucks und schickte Geld nach Angola, um ihrer Mutter eine Klinikbehandlung zu ermöglichen. Doch das Geld kam nicht rechtzeitig an. Ihre Mutter starb auf dem Boden vor dem Krankenhaus. Die Zwillingsschwester ihrer Mutter lebte zu diesem Zeitpunkt in Paris. Sie hatte damals weder zu ihrer Mutter noch zu Judith selbst Kontakt. Von Freunden erfuhr sie vom Tod der Mutter. Sie nahm Kontakt zu Judith auf – Judith war sehr froh darĂŒber. Ihre Tante beteiligte sich an den Beerdigungskosten.

Nach dem Tod ihrer Mutter sagte ihr Ehemann, sie sei tatsĂ€chlich eine Hexe. Zuerst habe sie ihren Vater getötet und jetzt auch noch ihre Mutter. Die Situation im Haus wurde unertrĂ€glich. Es gab ein DienstmĂ€dchen im Haus. Das DienstmĂ€dchen wurde entlassen und ihr Ehemann und seine zweite Frau entschieden, dass Judith nun ihre Arbeit zu ĂŒbernehmen hatte. Judith wurde zum DienstmĂ€dchen in ihrem eigenen Haus.

Sie entschied, ihren Mann zu verlassen, wusste jedoch nicht, wohin. Im Juni 2015, Benni war noch ein Baby, ging ihr Mann zur Arbeit. Seine zweite Frau ging ebenfalls außer Haus. Beide kamen nicht zurĂŒck. Drei Tage spĂ€ter kamen MĂ€nner zu ihr. Sie sagten, sie wĂŒrden Henry suchen. Judith sagte, sie wĂŒsste nicht, wo er sei. Er sei vor drei Tagen mit seiner anderen Ehefrau gegangen und bisher nicht zurĂŒckgekommen. Die MĂ€nner gingen, doch nach ein paar Tagen kamen sie zurĂŒck. In Afrika kommen MĂ€nner mit Macheten und können Dir Deine FĂŒĂŸe abhacken, Deine HĂ€nde oder sogar Deinen Kopf. Sie können Deine Kinder rauben. Die MĂ€nner kamen also zurĂŒck. Sie sagten ihr, Henry habe viel Geld genommen. Wieder fragten sie, wo ihr Mann sei. Sie waren sehr aggressiv. Die MĂ€nner dachten, Judith wisse, wo ihr Ehemann sei, und wĂŒrde es ihnen nicht verraten.

Sie kamen ein drittes Mal, in der Nacht. Es waren drei MĂ€nner, sie kamen, als sie schlief. Sie hĂ€mmerten an die TĂŒr und riefen: „Öffne die TĂŒr! Öffne die TĂŒr!“ Sie schlugen die Glasscheibe der TĂŒr ein, öffneten sie von innen und kamen ins Haus. Ihre beiden Kinder waren zu diesem Zeitpunkt im Haus, zudem die Kinder der anderen Frauen ihres Mannes. Die drei MĂ€nner tropften SĂ€ure auf Judiths rechten Unterarm. Immer wieder sagten sie, Judith solle sagen, wo ihr Mann sei. Erneut tropften sie SĂ€ure auf ihren Arm und schrien: „Rede!“, tropften SĂ€ure, schrien
 (Judith zeigt uns die Narben auf ihrem Arm.) Judith erinnert sich noch sehr gut an das zischende GerĂ€usch. Dann wurde sie von den drei MĂ€nnern vergewaltigt, ein zweites Mal in ihrem Leben. Um Vier Uhr, FĂŒnf Uhr in der Nacht sagten sie, sie werden nun ihren Mann selbst suchen. Wenn sie ihn nicht finden, kommen sie zurĂŒck und ermorden sie.

In diesem Moment beschloss Judith, das Land zu verlassen. Sie nahm Kontakt mit den Frauen auf, die sie damals als 13jĂ€hrige aufgenommen hatten. Die Frauen wohnten mittlerweile in anderen LĂ€ndern, in Belgien, in Frankreich. Judith erzĂ€hlte ihnen, was passiert war. Eine Freundin aus Belgien sagte ihr, sie solle ihre Kinder nehmen und in ihrem Haus in Kinshasa Schutz suchen. Das tat Judith. Nachdem sie mit ihren Kindern umgezogen war, verkaufte sie alles aus ihrem Laden und ihren gesamten Goldschmuck. Ihre Freundin gab ihr den Kontakt einer anderen Freundin in Marokko. Von ihr bekam Judith Tickets. Im Dezember 2015 floh sie mit ihren Kindern in die TĂŒrkei. Dort blieb sie ein paar Monate. Von ihrer Tante in Belgien bekam Judith Geld, um mit den Kindern weiter nach Griechenland fliehen zu können.

Im MĂ€rz 2016 kam Judith mit ihren Kindern in Griechenland an: auf Lesbos im Camp Moria. Bis Dezember 2016 lebten Judith, Winner und Benni im Camp. Von dort aus kam Judith mit den Kindern nach Athen. Es war nicht einfach dort. Sie schloss sich einer Gruppe Afrikaner an, die in einem Haus lebten. Doch Judith hatte Probleme, die Miete zu bezahlen – sie hatte kein Geld. Sie freundete sich mit dem Besitzer des Hauses an und begann, mit ihm auszugehen. Die beiden wurden ein Paar und Judith musste keine Miete mehr bezahlen. Sie wurde erneut schwanger. Zur gleichen Zeit zog eine andere Frau im Haus ein und ihr Freund ging auch mit dieser Frau aus. Judith merkte, dass er mit allen Frauen ausging, die in seinem Haus wohnten. Sie sprach mit ihm und erzĂ€hlte, dass sie schwanger sei. Er meinte, Judith sei Ă€lter als die anderen Frauen, er wisse nicht, warum er noch mit ihr ausgehe. Es gĂ€be keine gemeinsame Zukunft fĂŒr sie. In ihrer Not wandte sich Judith an einen langjĂ€hrigen Freund, den sie noch aus ihrer Heimat kannte. Es ist ein guter Freund, der einzige wahre Freund.

Dieser Freund erzĂ€hlte Judith von Hilfsorganisationen in Athen, die sie unterstĂŒtzen können und stellte den Kontakt her. So bekam Judith die kleine Wohnung, in der sie nun mit ihren Kindern lebt: mit Winner (10), Benni (6) und den Zwillingen Gloria und Grace (2). Inzwischen hat sich Space-Eye fĂŒr Judith und ihre Kinder eingesetzt. Space-Eye bezahlt die Miete, Strom und Heizung. Zudem erhĂ€lt die Familie eine kleine monatliche UnterstĂŒtzung fĂŒr ihren Lebensunterhalt.

Alles, was Judith in ihrem Leben erlebt hat, seit ihrer Kindheit bis heute, gibt ihr die Kraft, fĂŒr ihre Kinder so gut als möglich zu sorgen. Sie möchte keinesfalls, dass ihre Kinder das Leben haben, das sie selbst hatte. Ihnen soll es gut gehen. Judith wĂŒnscht sich fĂŒr ihre Kinder eine gute Schule und eine gute Ausbildung, eine gute Kultur. Das ist ihr das Allerwichtigste. Wenn sie sich frei entscheiden dĂŒrfte, in einem Land zu leben, wĂ€re es Belgien oder Deutschland.

Die UnterstĂŒtzung, die Judith durch Space-Eye erfĂ€hrt, die Wohnung, die finanzielle UnterstĂŒtzung fĂŒr ihren Lebensunterhalt, die Hilfe durch Marie-ThĂ©rĂšse, ist fĂŒr Judith gleichbedeutend mit dem Beginn des Friedens in ihrem Leben. Vorher hatte sie immer die Sorge, wie sie Essen fĂŒr ihre Kinder bekommt.

Judith hat sich geschworen, nie mehr mit einem Mann auszugehen. Auch wenn sie nur einen Euro brĂ€uchte, und ein Mann wĂŒrde ihr diesen Euro geben und dafĂŒr etwas von ihr erwarten, sie wĂŒrde ablehnen. HĂ€tte sie kein Geld, wĂŒrde Judith das ihren Kindern erklĂ€ren und sie wĂŒrden es verstehen. Die Zwillinge wĂŒrden es noch nicht verstehen, doch sie habe immer Spaghetti zuhause. Sie wĂŒrde einfach Spaghetti machen, damit die Kinder etwas zu essen haben.